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26. März 2020

Liebe WEGE-Freunde,
bei unserem letzten News-Eintrag (siehe unten) war die Welt noch in Ordnung: 
Im September 2019 hatten wir viele schöne Erlebnisse und private Fotos mit euch geteilt  – ob es für den Rest dieses Jahres noch Treffen mit Familie und Freunden, Urlaubsreisen oder Konzertbesuche geben wird, steht in den Sternen…

Wer hätte gedacht, dass so schnell „Krise“ sein kann!?
Ein kleines Virus veränderte schlagartig unser Leben. Und nach anfänglichem Hadern, ob das ganze Theater notwendig ist, wird mittlerweile immer klarer: wir stecken mitten in einem historischen Umbruch! 
Was passiert hier? Was kommt als nächstes? Wann wird es enden? Wie geht‘s danach weiter?…
Keine Ahnung!

Aber lasst uns die Sache mal positiv betrachten:
Dank „Isolation“ haben wir jetzt mehr Zeit, miteinander zu kommunizieren.
Am einen Austausch unter WEGE-Leser*innen zu ermöglichen, möchten wir hiermit diesen WEGE-Blog aktivieren. 

Schreibt uns doch
, wie es euch gerade so geht, was ihr denkt, wie ihr mit der „Krise“ umgeht bzw. in welcher Form sie euch betrifft – und welche Gedanken die aktuelle Situation sonst noch so in euch auslöst.

Über 
redaktion@wege.at sind wir immer für euch erreichbar!
Und natürlich werden auch wir uns an der Diskussion beteiligen… 

 

WEGE-Blog zur Corona-Krise:

Inge Faubet aus Deutschland, am 26. März 
Auf einmal steht das Leben still. Ängste und Unsicherheiten machen sich breit. Aber gleichzeitig spüre ich auch Hoffnung – und vor allem Dankbarkeit, weil ich wahrnehme, dass sich eine Ellenbogengesellschaft plötzlich in eine andere Richtung entwickelt und auf „Zusammenhalt“ umprogrammiert. Das ist wunderbar! Ob es so bleibt, wage ich allenfalls zu hoffen, daran zu glauben fällt mir leider immer noch etwas schwer.
In meinem persönlichen Leben bin ich besonders dankbar dafür, dass es mir und den Menschen, die ich liebe, gut geht, dass es Menschen gibt, die mich bedingungslos lieben, dass ich eine Familie habe, die für mich da ist, aber auch Freunde, auf die ich mich verlassen und denen ich blind vertrauen kann…
Die augenblickliche Situation nutze ich zum Arbeiten, was mir sehr viel Freude macht, denn die Zeit vergeht wie im Fluge. Ich finde aber auch endlich wieder mehr Ruhe zum Lesen. Täglich stehe ich im Austausch mit Menschen, die mir wichtig sind, für die mir aber vor „Corona“ viel zu oft die Zeit fehlte. Aber auch ehemalige Kollegen und alte Kontakte treten plötzlich wieder in mein Leben und bekommen auf einmal eine ganz neue Qualität. Es klingt vielleicht vermessen, aber für mich hat diese Zeit trotz all des Grauens auch sehr viel Gutes.

Ich wünsche jedem Einzelnen von euch, dass es auch in eurem Leben Menschen gibt, die euch auffangen und durch schwierige Zeiten tragen! Bleibt alle gesund! Und sollte es jemanden bereits erwischt haben, dann alle guten Wünsche für eine schnelle Genesung!


WEGE-Eva am 26. März:

Liebe Wilma,
im großen und ganzen sehe ich das auch so wie du… im Moment bin ich aber in eine andere Richtung sehr betroffen, weil ich heute mit einer lieben Freundin telefoniert hab, die als Sozialarbeiterin gerade voll drankommt: 
Sie arbeitet in der mobilen Pflege von (körperlich und psychisch) Schwerstkranken. Von ihren vier Kolleginnen sind gerade drei im Krankenstand, d.h. die über 50 Klienten werden jetzt von nur zwei Frauen einzeln zu Hause betreut (von Körperpflege bis Einkaufen und Hilfe bei alltäglichen Dingen), die natürlich heillos überfordert sind. Sie ist den ganzen Tag unterwegs, und hat beim Nachhausekommen nach der Arbeit null Ansprache oder Zuspruch (weil Single) … Die Nerven liegen jetzt schon blank, sie bräuchte dringend jemanden, der/die sie mal in den Arm nimmt, muss aber unbedingt Kontakte zu Familie und Freunden vermeiden! Ihre Enkeltochter hat heute ihren ersten Geburtstag… 
Auf meine Frage, ob sie und ihre Kollegin nicht um Unterstützung bei ihrem Arbeitgeber oder einer anderen sozialen Organisation ansuchen könnten, meinte sie: „Die rennen doch auch alle am Limit! Und haben auch gar keine Ressourcen mehr, weil der Sozial- und Pflegebereich in der türkis-blauen Regierungszeit total kaputtgespart wurde!!“…
Bleibt nur zu wünschen, dass die Gesellschaft und Politik in der Krise merkt, wie dringend wir diese Menschen in helfenden, pflegenden und sozialen Berufen brauchen. Und dass sie endlich vor den Vorhang geholt, gewürdigt und vor allem besser bezahlt werden!!! 



Wilma aus NÖ am 24.03.2020:

„… Ich hoffe, die Menschheit lernt etwas von diesem Virus und wie schnell das ganze große, oft künstliche Geschäft, der globale, ungerechte Handel zusammenbricht.
Wie gut, dass sich die Natur nun erholen kann. Jeden Tag fällt mir auf, dass die Natur einfach weiter macht: die Vögel singen, die Bäume blühen (trotz Frost), es gibt immer mehr Primeln, Leberblümchen, Veilchen, Krokusse – der Natur ist das Corona-Virus völlig egal. Die kapitalistische, gierige Menschheit, DAS war der Virus für unseren Planeten…
Alles Liebe von mir und passt‘s auf euch auf!“