kaept'n, laughing-power,
money-girls & co


oder wie fuehrt man ein
400 MIO.-Unternehmen ohne Hierachie

von Roman Schreuer

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„...und ein innovatives Unternehmen muessen wir vorstellen", war ein klares Ziel fuer diese vorliegende Ausgabe. Aber welches? Und wo? In Wien, Tirol, Deutschland...?

Mitnichten - im oberoesterreichischen Atzbach,3 Fahrminuten von der WEGE-Redaktion enfernt befindet sich die wohl innovativste und ganzheitlichste Firma weit und breit.

Nein, keine Quetsche!

180 Mitarbeiter, ueber 400 Mio. Jahresumsatz, Marktfuehrer im Bereich Hallenbau und Brandschutztore - die Unternehmensgruppe Peneder in Atzbach und Eferding, 1922 entstanden als Huf- und Wagenschmiede des Großvaters der Brueder Franz und Karl Peneder. Durch ein langes persoenliches Gespräch mit Franz Peneder und einem Besuch in der Firma konnten wir uns persoenlich ueberzeugen - die Zukunft sitzt in Atzbach!

ich moechte dich jedoch nicht mit Zahlen, Fakten und Analysen langweilen, sondern versuchen, die Philosophie, das Gefuehl und das Miteinander dieser Menschen vorzustellen. Die fett geschriebenen Passagen im folgenden Text sind gemeinsam erarbeitete Firmen-Visionen und Aussagen von „Käpt´n" Franz Peneder.

Die Teams in unserem Unternehmen setzen sich aus Menschen mit unterschiedlichem Alter, verschiedenen Charakteren und Eigenschaften zusammen. Durch diese Ergaenzung entsteht eine ganzheitliche Sicht. In unserem Unternehmen gibt es keinen Neid, keine Sieger und keine Verlierer. Die Faehigkeiten werden genutzt und akzeptiert, Teamentscheidungen werden respektiert.

Seit einigen Jahren schon gibt es keine Firmen-Hierarchie mehr. Alle Bereiche des Unternehmens sind in eigenverantwortliche Teams gegliedert, jedes davon hat einen eigenen selbstkreierten Namen (z.B. Money-Girls, Halle Davidson oder Laughing Power). Alle Teams (auch die administrativen) werden zusaetzlich zum „normalen" Grundgehalt erfolgsorientiert entlohnt. Es gibt sozusagen „Butter auf's Brot". So lernen die Mitarbeiter, unternehmerisch zu denken und zu handeln, das Tagesgeschaeft zu erledigen und gleichzeitig darueber nachzudenken, was in 3 Jahren sein soll. Neue Mitarbeiter werden nicht vom Chef (Teamname: Kaept'n), sondern vom entsprechenden Team selbst ausgesucht, Erfolgszahlungen innerhalb des Teams aufgeteilt.

„Diese Entscheidungen kann und will ich als Chef nicht uebernehmen!"

Die Kommunikation im Unternehmen ist offen und ehrlich - unabhaengig von der Position des Einzelnen. Wir geben einander spontanes, ehrliches Feedback als Zeichen gegenseitiger Wertschaetzung. Wir sehen Kritik, Konflikt und Widerspruch als positive Signale und beachten die dahinterliegende Botschaft.

Seit 9 Jahren werden konsequente Persoenlichkeitsentwicklungs-Maßnahmen gesetzt. Derzeit befinden sich 18 Mitarbeiter in einem freiwilligen Seminarzyklus ueber 1 1/2 Jahre (Fuenf Seminare zu je 4 Tagen). Sich selbst kennenzulernen, mit Konflikten umzugehen, das eigene Team zu analysieren, die Staerken und Schwaechen zu erkennen... heißen die Aufgaben und Ziele dieser Seminare. Derart haben bis heute ca. 30% der Belegschaft an sich gearbeitet und dadurch auch eine neue Dimension von Miteinander entstehen lassen. Das DU-Wort ist im gesamten Betrieb selbstverstaendlich. Auch Bewerbungsgespraeche werden in diesem Klima gefuehrt.

„Naehe entsteht wenn man ueber die eigenen Schwaechen spricht"

Waehrend der letzten Monate bereiten sich 60 Angestellte und Arbeiter gemeinsam auf einen Hoehepunkt ihrer Teamarbeit vor: Im Dezember 98 gehts zum „Betriebsausflug" nach Afrika, um den 5895m hohen Kilimandscharo zu besteigen!

Die Gewinne des Unternehmens sichern die Existenz jedes einzelnen Mitarbeiters. Die Beteiligung am Unternehmen steht allen Mitarbeitern offen. Gewinne erzielen wir zur Erhaltung der Unternehmens-substanz und zur Finanzierung neuer Ideen. Weiters werden sie fuer das Wachstum der Eigentuemer und der Mitarbeiter im oekonomischen, bildungsmaeßigen und menschlichen Bereich verwendet.

Im Unternehmensbereich Eferding wurden im letzten Jahr an die 5 Millionen Schilling an die Teams ausgeschuettet. Die Mitarbeiter gestalten ihre Arbeitsraeume nach eigenen Wuenschen, ebenso Inforaeume, Aufenthaltsraeume usw. - die fuers Ausmalen, Vorhaenge naehen, Handwerken etc. benoetigte Zeit ist die persoenliche Investition jedes Einzelnen. Das Budget fuer Persoenlichkeitsentwicklung wurde auch in schwierigen Jahren niemals Opfer des Kostensenkungsdruckes. Ein Meditationsraum im geplanten neuen Buerokomplex steht nicht nur dem Kaept'n, sondern allen zur Verfuegung.

„Bei schwierigen Entscheidungen hat jeder die Moeglichkeiten in einen Raum zu gehen, der ein ganz anderes Flair hat". „Alles was fuer mich gut ist - kann auch fuer die Mitarbeiter gut sein"

Unser Prinzip ist, Fehlerursachen zu finden, um dem Verursacher die Chance zu geben, keinen Fehler zweimal zu machen. Angst betrachten wir als Feind des Neuen, denn ihr Wesen ist die Erstarrung. Fuer uns ist eine falsch getroffenen Entscheidung besser als keine.

Durch klar und konkret organisierte Arbeitsablaeufe und die Eigenverantwortlichkeit und Selbstaendigkeit in und zwischen den Teams wurde die Fehlerhaeufigkeit waehrend der letzten Jahre auf ein Minimum reduziert. Etwaige Fehlentscheidungen werden im Team diskutiert und von diesem auch gemeinsam getragen und „ausgebadet".

Was leitet mich als Unternehmer?

Wie in allen Lebensbereichen gibt es auch im unternehmerischen Bereich viele Modeerscheinungen. Ist es im Moment richtig, Marketing, fraktales Unternehmen, Lean-Management, Lean-Production, Controlling etc. in den Vordergrund zu stellen? Wer sein Unternehmen so leitet, dessen Mitarbeiter und Kunden werden es wie ein Schiff auf rauher See erleben. Ich fuehre mein Unternehmen nach klaren Grundsaetzen, die in folgender Reihenfolge wirken: Werte - Leitideen - Handlungen - Ergebnisse - Ergebniskommentar. Alle zuvor aufgezaehlten Modeerscheinungen koennen und muessen selbstverstaendlich in die Handlungen einfließen und sie beeinflussen. Aber die Berechenbarkeit des Unternehmens ist durch stabile Werte gesichert. Selbstverstaendlich ist die positive Ergebniserzielung ein unternehmerisches Ziel und nicht wegzudiskutieren. Aber kann dies auch ein Wert sein?

Der praegendste Wert ist fuer mich die Sinnfindung im Arbeitsleben. Die Suche nach dem Sinn hat vielfaeltige Auswirkungen. In Erfolgsphasen werde ich in meinen Handlungen befluegelt - die immer wieder auftretenden Mißerfolge machen mich demuetig.

Heute bin ich froh, daß ich vor 20 Jahren die Herausforderung, als Unternehmer selbstaendig zu arbeiten angenommen habe - und ich bin davon ueberzeugt, daß mich diese Aufgaben nachhaltig persoenlich gepraegt haben.
Franz Peneder

Kienberger Thomas Team Laughing Power
Ich bin Techniker und zustaendig fuer die gesamte Projektabwicklung, von der Planung bis hin zur Montageueberwachung. Warum ich gerne hier arbeite? Weil ich mir meine Zeit frei einteilen und selbstaendig arbeiten kann. Weil die Kameradschaft und der Zusammenhalt toll ist...- naja, es ist einfach mein Traumjob!

Bergermayer Helmut Team International
Meine Aufgabe hier ist, das Unternehmen zu internationalisieren. Wir haben gemeinsam das Projekt (P)evolution ins Leben gerufen, mit dem wir unsere internen, erarbeiteten Firmen-Moeglichkeiten innerhalb bestehender Werke multiplizieren und gemeinsam mit der Geschaeftsfuehrung und den kooperativen Firmen in die Laender Europas und der Welt expandieren wollen. Das ist das, was ich am liebsten machen wollte - darum arbeite ich hier. Nach einem eineinhalbjaehrigen Persoenlichkeitsentwicklungsseminar hab ich meinen persoenlichen 5-Jahresplan festgelegt - und das was ich jetzt (seit April) hier mache, kommt in diesem Plan vor. Und dann hab ich noch den Chef davon ueberzeugt, daß ich der Beste fuer diesen Job bin.

Wenko Anita Team Money Girls
Ich arbeite seit 18 Jahren in dieser Firma und bin fuer die Buchhaltung zustaendig. Am besten gefaellt mir die flexible Arbeitszeit - keine Stempeluhren, keine Urlaubsaufschreibungen...Ich beginne lieber schon um halb sechs Uhr frueh und bin dafuer am Nachmittag zu Hause. So habe ich auch Zeit fuer meine Familie. Und wenn ich mal weg will, z.B.wegen irgendeiner Feierlichkeit im Kindergarten, gibt´s keine Probleme, ich muß niemandem Rechenschaft ablegen oder Zeitausgleich nehmen. Ich trage die volle Verantwortung fuer meinen Job und kann absolut selbstaendig arbeiten, auch im Rechnungswesen.

Zu schoen um wahr zu sein? Eine ruehmliche Ausnahme? Nein - ein Vorbild!

Die Firma Peneder ist unserer Zeit sicher 5-10 Jahre voraus. Aber stell dir vor, dieses Gedankengut, dieser Teamgeist, diese ganzheitliche Sicht von Unternehmen und Menschen wuerde sich in der Wirtschaft, in der Politik, in allen zwischenmenschlichen Beziehungen durchsetzen. Mitarbeiter und Angestellte, die mit einer Einstellung arbeiten, als waer's die eigene Firma. Und der Chef als Coach.

Miteinander statt Hierarchie. Das alles ist wohl nur dann moeglich, wenn Menschen an sich selbst arbeiten, sich fragen „Wer bin ich?", „Was will ich?" und „Warum?" - auch wenn das derzeitige (Arbeitsmarkt-) Klima dies eher als Luxus erscheinen laeßt, denn Hauptsache man/frau bekommt ueberhaupt einen Job.

Oder gerade deswegen kein Luxus sondern eine Notwendigkeit?

Wer mit der Firma Peneder Kontakt aufnehmen moechte, kann dies ueber die WEGE- Redaktion tun.