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Der
magische Tiergarten? |
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Die kaiserliche Menagerie Am 31. Juli, einem strahlenden
Sommertag im Jahr 1752, lud Maria Theresias Angetrauter
Kaiser Franz I. Stephan von Lothringen einige honore Damen
und Herren zu einem Nachmittagsspaziergang ein - um ihnen
seine neue Menagerie zu zeigen. Die vier ältesten
seiner zahlreichen Kinder waren auch mit von der Partie.
Alles fein säuberlich notiert vom damaligen
Obersthofmeister Fürst Khevenhüller, der über
jeden Schritt seiner kaiserlichen Hoheit genauestens Buch
führte. Spirituelle Hintergründe Was veranlasste jene hohen Herrn
damals, sich einen Haufen mehr und weniger exotischer Tiere
ins Haus zu holen und in Gehege zu sperren? Eine
gehörige Portion Dekadenz natürlich?
Wahrscheinlich gehörte es damals zum guten Ton, sich
mit Außergewöhnlichem zu umgeben - was heute der
Porsche, die luxuriöse Golfausrüstung oder die
blitzeblank polierte Harley Davidson vor der Haustüre
symbolisieren, war eben damals das eigene Nashorn im
Garten
!? Ein Logenplatz für Tiere Für einen derart denkenden und
gebildeten Mann war es seinerzeit also unerlässlich,
die Natur zu beobachten und zu erforschen - vor allem, um
sich selbst darin zu finden und zu erkennen. Auch das
Deckengemälde im mittleren Pavillon illustriert die
alchimistische Grundthese, dass alles in der Welt letztlich
eins ist und aus dem selben Grundstoff stammt - Mensch und
Tier. Kabbala, Astrologie und Feng Shui Was den Autor Gerhard Kunze am meisten beschäftigt und fasziniert, und worüber er sich in seinem oben genannten Buch heftigst ergießt, ist die Zahlenmagie, die dem ganzen Menagerie-Projekt eingebaut wurde. Hier nur einige Fakten, die das Ausmaß der kaiserlichen Hintergedanken andeuten sollen (siehe Skizzen): Im Kreis um einen Pavillon wurden 12 Logen für die Tiere eingerichtet - genauso viele, wie es Tierkreiszeichen in der Astrologie gibt. Der Kreis mit Mittel-Punkt ist ein rosenkreuzerisches Symbol für Kaisermacht, das Bild der schöpferischen Mitte, die allem in der Umgebung Sinn gibt, die Mitte des Universums. Der Pavillon in der Mitte ist achteckig (8 = Zeichen des ewigen Kreislaufs, Symbol der Macht, Sinnbild der Weihe, Rettungs- und Glückszahl - auch die meisten Taufbecken von damals sind achteckig!). Der Pavillon steht auf einem quadratischen Sockel (die 4 Elemente - nebst den 4 Tugenden Platons, die an den Türen zum Pavillon als Köpfe dargestellt sind: Weisheit, Tapferkeit, Besonnenheit und Gerechtigkeit). An dessen Ecken führen neunstufige Treppen empor (9 = im Kabbala die magische Zahl für Vollendung und Klugheit). Ins Zentrum der Menagerie gelangte man über drei Alleen, im Grundriss ergeben diese ein Dreieck (Symbol für die Verbindung von corpus/Körper - anima/Seele - spiritus/Geist), an dessen Spitze sich der Pavillon des Kaisers befindet (in dessen Deckengemälde wiederum der Stein der Weisen" abgebildet ist). Derartige energetische
Zusammenhänge gibt es an dem Platz noch viel mehr - was
nicht nur mit des Kaisers Interesse an kabbalistischer
Zahlenmagie und astrologischen Berechnungen
zusammenhängt. Man lese und staune: schon damals gab es
Kontakte mit chinesischen Feng Shui-Experten, die bei der
Planung solcher Projekte zu Rate gezogen wurden! ![]() Energetische Zusammenhänge |
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Wind der Erneuerung Womit wir beim heutigen Stand der
Dinge angelangt wären. Und bei Helmut Pechlaner, der
wohl in die Geschichte Österreichs eingehen wird. Vor
zehn Jahren hat der Tiroler und promovierte Tierarzt die
Leitung des ältesten Zoos der Welt übernommen -
mit der Aufgabe, eine völlig herunter-gekomme Anlage
sowohl baulich als auch wirtschaftlich wieder auf solide
Beine zu stellen. Dabei legte der Mann ein Tempo vor, das
die ehemalige kaiserliche Menagerie wohl seit ihren
Gründungstagen nicht mehr erlebt hat. Gleich in seinen
ersten Arbeitstagen wurden 80 Tonnen Sperrmüll aller
Art weggeschafft, man montierte unnötige Zwischengitter
in den Gehegen ab, um den Tieren einen größeren
Auslauf zu verschaffen, Gitter, Türen, Parkbänke
und Hauswände wurden restauriert und neu
gestrichen
Ich bemühe mich, mit dem Kopf
des Tieres zu denken und mir vorzustellen, was es für
Wünsche und Beschwerden hat. Schönbrunn soll ein
Zoo der glücklichen Tiere sein!", verlautbarte
Pechlaner und veranlasste viele kleine Veränderungen,
die überhaupt keine zusätzlichen Kosten
verursachten, aber die Lebensqualität der Tiere
erheblich steigerten. Zum Beispiel das Verwenden von
verschiedenem Einstreugut (in präpechlanerschen Zeiten
nur Einheits-Sägemehl). Heute wohnen die Tiere
artgerecht auf Baumrinden, Stroh, Heu oder Erde. Die
Bären etwa konnten nach jahrelangem Leben in einer
Betonlandschaft erstmals erleben wie es ist, in der Erde zu
wühlen - wie herrlich! Die Elefanten bekamen
ordentliche Kratzbäume. Äste aus der
Baumbeschneidung wurden nicht mehr wie früher vom
Wiener Gartenamt abtransportiert, sondern den Giraffen,
Elefanten und Hirschen ins Gehege gebracht. Die Tiere
schälen sie mit Begeisterung ab, reiben sich daran und
freuen sich an der abwechslungsreichen
Futterergänzung. Rosige Zukunft Zweifelsohne ist der magische
Zoodirektor" auch ein PR-Talent. Der gute Mann verpasste der
wirtschaftlichen Lage des Zoos einen gehörigen
Schubser: Waren es vor zehn Jahren jährlich 720.000
Menschen, die Eintrittsgeld für den Tiergarten
Schönbrunn bezahlten, konnten Pechlaner und sein Team
(das er nicht müde wird zu loben) im Jahr 2000 1,6
Millionen Tickets verkaufen! Der Zoo ist somit
Österreichs Besuchermagnet Nummer eins. Und die Tiere? Wo aber liegt nun wirklich der Sinn
des Ganzen? Und dass sich der neue österreichische Tier-Guru" auch um den Artenschutz in freier Natur einsetzt, weiß mittlerweile jeder, der in letzter Zeit die Fernseh-Dokus der Universum-Reihe verfolgt. Da sieht man in regelmäßigen Abständen Pechlaner bei den Tigern in Indien, Pechlaner bei den Nashörnern in Afrika, Pechlaner in Steppen, Dschungeln, Regenwäldern und in Zusammenarbeit mit einheimischen Wissenschaftlern und Naturschutzparkbetreuern Ein engagierter persönlicher Einsatz, der zeigt, dass es dem Mann wirklich um's Wohl des Ganzen geht. Ein Einsatz für die Tierwelt, der ihm - und das muss ich einfach noch erwähnen, einfach weil ich's spannend finde - im Blut liegt. Seine Urgroßmutter nämlich war die Anna Stainer-Knittel (1841-1915) - jene Frau, die sich als junges Mädchen im Tiroler Lechtal zweimal über eine hohe Felswand abseilen ließ, um junge Adler aus dem Horst zu bergen. Sie wären sonst hilflos verhungert, weil Schafzüchter aus Angst um ihre Lämmer die Elterntiere abgeschossen hatten. Eine halsbrecherische Tat, die später als Vorbild für den mehrfach verfilmten Film Die Geier Wally" Berühmtheit erlangte. Der Urenkel von der Geier-Wally gab also den Anstoß zu einem ordentlichen Umdenken im österreichischen Tierschutzverhalten. Franzl schau oba! Der alte Kaiser - Gott hab ihn selig - hätt sicherlich seine Freud daran! |
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LITERATUR:
Tiergarten SchönbrunnVon der Menagerie des Kaisers zu Helmut Pechlaners Zoo der glücklichen Tiere von Gerhard Kunze, Verlag LW-Edition, 2000, SBN: 3-9501179-0-3; (erhältlich im Buchhandel oder direkt beim Verlag unter Tel: 02742 / 801-1309 oder Fax -1430 oder e-mail: np.zeitschriften@noep.at) Die meisten Infos und Bilder für diesen Artikel sind diesem interessanten Buch entnommen. Wir danken dem Autor und dem Verlag für die freundliche Genehmigung zum Abdruck. |