Sex im Alter


von Eva Schreuer & Dr. Klaus Heer

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Tun sie´s noch oder gar nicht mehroder vielleicht anders?

Oder haben sie´s jemals getan, ich meine so wie´s wir heute tun? Wie (er)leben alte Menschen ab 60/70 ihre Lust, ihre Sexualitaet - oder sind koerperliche Gelueste ab einem gewissen Lebensabschnitt gar kein Thema mehr?

Vielleicht geht´s dann ja schon um „essenziellere" Dinge - wie z.B. endlich den langersehnten „Weisheits-Durchblick" zu genießen aufgrund der langen Lebenserfahrung oder um die Vorbereitung auf den Abgang aus diesem Leben!?

 

Einer, der sich um dieses Thema schon seit Jahren bemueht ist der Schweizer Paartherapeut Klaus Heer. 1995 veroeffentlichte er in seinem Buch „Ehe, Sex & Liebesmueh" 20 Interviews mit verheirateten Menschen zwischen 33 und 74 - eine tatsaechlich glaubwuerdige, offene, wertfreie Wiedergabe des sexuellen Alltags verschiedener Menschen verschiedenen Geschlechts und Alters. Seine Gespraechspartner fand Heer ueber Kleinanzeigen in Schweizer Tageszeitungen - die Namen wurden im Buch geaendert. Eine seiner Motivationen, dieses Projekt durchzuziehen war dem Therapeuten unter anderem seine eigene „kindliche Neugier", sein Beduerfnis, mal endlich von „Anderen", „ganz Normalen", solchen wie er, du und ich zu hoeren, wie das nun bei ihnen wirklich ist mit ihrer Sexualitaet.

Fuer all jene WEGE-LeserInnen, die sich auch schon oefter gefragt haben, wie das denn nun bei „den Alten" ist mit der Lust, habe ich im Folgenden zwei der Interviews ausgewaehlt. Leider mussten sie aus Platzgruenden stark gekuerzt werden. Und leider bringen sowohl der Mann als auch die Frau in den Aussagen teilweise ein ordentliches Quentchen Ehe-Frust rueber. Wer das ganze Buch gelesen hat, wird dies aber schnell relativieren koennen - und erkennen, dass fuer ein Wachstum in einer laengerfristigen Paar- und Sexbeziehung eben das Einlassen auf Lust und Frust notwendig ist.

 

Der erste Orgasmus mit 70

Maria (74 J.) ist von Beruf Hausfrau, frueher Gaertnerin, seit 55 Jahren liiert und seit 51 Jahren verheiratet mit Karl, (80 J.) pensionierter Drucker; zwei Toechter (48 und 45) und ein Sohn (40)

Die Vorgeschichte:

Karl war ihr erster Sexualpartner, beide waren und sind sich bis heute sexuell treu. Durch die ganze sexuelle Beziehung zieht sich ein Hauptproblem: Maria fuehlt wenig bis gar keine Lust und ein starkes Beduerfnis nach Zaertlichkeit und Naehe - bei Karl verlangt jeglicher Koerperkontakt nach einem Orgasmus als hochoffiziellen Abschluss.
„Er stieg einfach ein und war schon erregt. Er versuchte als erstes, mich auch zu erregen. Er reizte meine Brust, aber die reagierte nicht. Manchmal sagte ich dann zu ihm: Merkst du denn nicht, dass ich nicht erregt werde? Aber er gab mir nie eine Antwort. Es nuetzte nichts, ihn darauf aufmerksam zu machen. Mein Mann begriff das nie. Nie. Bis heute will er nach jeder zaertlichen Beruehrung seinen Orgasmus haben, den ich ihm von Hand machen muss."
In den ganzen Jahren gab es zwei Ausnahmesituationen, in denen Maria Spaß am Sex hatte und an die sie sich begeistert zurueckerinnert: Vier Ferientage im ersten Ehejahr und ein gemeinsamer Ischia-Urlaub zur Silberhochzeit …
… Ich fragte ihn immer wieder: Ich verstehe nicht, dass du mit mir schlafen kannst, wenn ich doch absolut nicht bereit bin. Das kann dir doch keinen Spaß machen..., aber es beruehrte ihn nicht. Bis heute versteht er es auch nicht, mich zu troesten, wenn ich traurig bin. Er sagt mir hoechstens: „Ach, das ist doch nicht so schlimm! Vergiss es!" Nie bin ich einen Moment geborgen bei ihm. Aber inzwischen bin ich doch ein wenig weiser geworden und habe den Humor, den ich von meinem Vater habe, nicht verloren. Dabei ist mir etwas zu Hilfe gekommen, was ich im Sommer vor vier Jahren erlebt habe: Ploetzlich erwachte gaenzlich unerwartet wieder eine immense Lust.

Verstehen Sie das?

Nein, ich verstehe es nicht. Ich verstehe nicht, wie nach der jahrelangen Brachzeit unvermittelt mit 70 eine große Lust ueber mich kam, wie damals mit 20 im Urlaub und mit 50 auf Ischia. Das kam so: Weil es so heiß war, trug ich keinen Buestenhalter wie gewoehnlich und merkte ploetzlich, wie mir die Beruehrung des Stoffes an der Brust wohltat. Es war wunderbar, und ich genoss es. Ich wartete noch zwei, drei Tage, und dann sagte ich zu meinem Mann: „Du, ich glaube, jetzt waere ich fuer die Sexualitaet bereit." Ich spuerte den Drang, diesen Mann wieder dauernd zu beruehren und von ihm beruehrt zu werden. Ich sagte: „Aber jetzt will ich, dass du ein intensives Vorspiel mit mir machst! Das ist naemlich jetzt mein Genuss." Ich genoss es wirklich, dass er mich mit der Hand befriedigte, und auch mit der Zunge.

Er wusste also, wie das geht?

Ja. Und dann erlebte ich zum allerersten Mal in meinem Leben einen richtigen Orgasmus.

Mit 70?

Ja.

Handarbeit von ihm?

Ja, von Hand.

War es ein gutes Erlebnis?

Wahnsinnig!

Wie denn?

Ich hatte das Gefuehl, das ganze Herz und die ganze Seele wuerden mit Macht in mir hochsteigen und sich steigern und dann explodieren! Es war so wunderschoen, dass es fast nicht zum Aushalten war. Ich rief: „Mach weiter! Mach weiter!", und es dauerte eine Ewigkeit. Schließlich floss alles ab mit einer wunderbaren Lust, und dann war ich erledigt. Es ist schwer zu beschreiben. Nachher fuehlte ich mich ganz befreit, und die Welt um mich herum war leicht und beschwingt.

Empfanden Sie das als Geschenk Ihres Mannes?

Nein! Es waere mir nicht in den Sinn gekommen, mich bei ihm zu bedanken. (Lacht) Es war ganz allein mein Erlebnis.

Hatten Sie das Gefuehl, etwas nachgeholt zu haben?

Das ja! Und ich spuerte: „Das ist es jetzt! Wunderbar, dass du das jetzt doch noch erleben kannst!" Ich glaube, das Schoenste daran war, dass ich endlich einmal ganz ich selber sein konnte. Seither bin ich in meinem Innersten viel ruhiger geworden. Wenn ich jetzt traurig bin, denke ich oft an diesen wunderbaren Moment. Es ist immer wieder eine troestliche Erinnerung.

Sie sehen jetzt mit mehr Gelassenheit auf Ihre Ehegeschichte zurueck?

Es ist keine Auflehnung mehr da, ja, kein Hadern mehr.

Diese sexuellen Hochgefuehle versoehnten Sie auch mit Ihrem Mann?

Ja! Das stimmt.

Und Ihr Mann fuehlte sich im satten Klee?

Natuerlich! Er war uebergluecklich. Ich glaube, ich haette ihn fragen koennen: „Schenkst du mir ein schoenes Collier?" (Lacht) Er haette es gemacht! Bestimmt! Und ich sagte zu ihm: „Es ist, Herrgott noch mal, als ob wir noch 20 waeren!" Wir fanden es beide unglaublich toll.

Hatte es mit Liebe zu tun?

Nein! Es war Lust, Trieb. „Liebe" passt sowieso nicht zu uns zwei alten Leuten. Jetzt, wo es wieder still ist zwischen uns, geht es viel eher um Achtung und sich gegenseitig akzeptieren und einander noetig haben. Im Alter kann ich ihm ein paar wichtige Dinge ins Gesicht sagen, die ich vorher immer verklemmt hatte. Zum Beispiel, dass ich ihn jahrelang immer wieder gruendlich gehasst hatte oder dass ich niemals wieder als Frau auf die Welt kommen moechte &endash; nie!

Warum?

Ich habe in meinem ganzen Leben nichts Anderes gemacht als gedient. Eltern und Schwiegereltern habe ich in den Tod gepflegt, die Kinder voll versorgt, und jetzt kommt moeglicherweise auch noch die Pflege meines Mannes auf mich zu. Mit dieser Dienerinnenrolle bin ich bald vollauf bedient.

Wie lange dauerte Ihr Hoehenflug?

Sechs, sieben Wochen. Mit dem Sommer verzog sich dieses Wundergefuehl wieder. Als ich Ende September zwei Wochen mit einer Freundin im warmen Sizilien war, kam es noch mal zurueck, und ich dachte zum ersten Mal: „Wenn ich doch nur den Karli hier haette!" Und weil er nicht da war, befriedigte ich mich zum ersten Mal in meinem Leben selber. Als ich nach Hause kam, erzaehlte ich alles meinem Mann, und es gab noch einmal ein paar Tage ein Aufflammen meiner Lust. Aber dann stellte es mir ploetzlich wieder ganz ab. Und ich sagte zu ihm: „Tut mir leid, es ist jetzt einfach vorbei, Schluss!"

Seither sind Sie wieder abgestellt?

Nein, eben nicht! Die Lust kommt jetzt jedes Jahr wieder fuer ein paar Wochen, sobald es warm wird.

Und jetzt, im kalten, nebligen November ist sie wieder weg?

Ja. Es ist still, und ich leide nicht einmal darunter.

Der naechste Sommer kommt bestimmt?

Ich hoffe es.

Was macht Ihr Mann, bis es wieder so weit ist?

Er befriedigt sich selbst, das heißt, er kommt zu mir, und ich helfe ihm dabei.

Sie befriedigen ihn mit der Hand?

Ja. Wissen Sie, seine Erektion ist nicht mehr so stark, dass er in mich reinkommen koennte. Wenn er zu mir kommt, um sich befriedigen zu lassen, sage ich manchmal zu ihm: „Ach, wenn das nur wieder kaeme, was im Sommer war! Ich wuenschte mir das so sehr!"

Versteht er das?

Ja! Jetzt hat er begriffen, wie das bei mir funktioniert, und er respektiert es. Darum mache ich ihm diese Freude gern ...

Ihm zuliebe?

Ihm zuliebe, ja. Nachher sage ich ihm immer: „Gell, jetzt kannst du gut schlafen!?" (Lacht) Und kurz darauf schnarcht er schon wunderbar. Ich selbst habe absolut nicht das Beduerfnis, dass er mich irgendwie ...

Er beruehrt Sie dabei gar nicht?

Nein. Er kommt einfach, und ich sage: „Es ist schon recht, Karli!" und so. Ich weise ihn nie zurueck und finde das gut. Ich sage mir, wenn er daran Spaß hat, soll er den Spaß haben.

Er kommt immer noch zu seinem Orgasmus?

Ja, ja. Das ist doch schoen!

Koennten Sie sich vorstellen, ihm zu sagen: „Du hattest jetzt deinen schoenen Orgasmus. Ich moechte so gern, dass du mich noch ein wenig streichelst."?

Nein, nicht mehr. Es gab zu viele Enttaeuschungen in meiner Ehe. Jetzt mag ich nicht mehr betteln.

Und wenn Sie ihn bitten wuerden, Sie auch mit der Hand zu befriedigen?

Ja, das wuerde er sofort! Sofort! Aber ich habe nicht die geringste Lust, leider.

Sagt er Ihnen manchmal „Danke schoen!" dafuer, dass Sie ihm behilflich sind?

Nein! Das waere zu viel verlangt. In letzter Zeit sagt er immerhin &endash; nicht direkt zu mir, sondern zum Arzt oder unserer Tochter: „Was wuerde ich bloß machen, wenn ich die Mama nicht haette ...?!" Ich selbst waere auch sehr traurig, wenn ich ihn verlieren muesste. Das sage ich ihm auch immer wieder.

Gibt es noch andere Beruehrungen bei Ihnen beiden, abgesehen von seiner Selbstbefriedigung?

Nein. Wenn ich ihn irgendwo harmlos beruehre, will er sofort Sex, wie eh und je. Das ist unausrottbar. (Lacht)

Ich kann fast nicht glauben, dass es keine kleine Zaertlichkeit mehr zwischen Ihnen geben soll, keinen Kuss zum Beispiel?

Einen Kuss? Wissen Sie, mit Prothesen ist das ein Problem. Wir haben beide falsche Zaehne, und da ist das Leben im Mund weg.

Ist es ein peinliches Gefuehl?

Nein, aber es fehlt das lebendige Empfinden.

Sie koennten sich ja ohne Zaehne kuessen.

(Entsetzt) Oh nein, unmoeglich! Schrecklich! Nein, nie! Ohne Zaehne fuehle ich mich wie eine Hexe.

Fuer Ihren Mann ist das auch so schlimm?

Ich glaube schon, sicher! Wir zeigen uns einander nie ohne Zaehne.

Sind Sie nicht traurig ueber diesen Verlust?

Jetzt nicht mehr, nein!

Haben Sie sexuelle Fantasien?

Das nicht, aber mir gefallen schoene Koerper. Im Haus nebenan wohnt zum Beispiel eine junge Frau, die hat in ihrem Badezimmer ein großes Fenster mit Milchglasscheiben. Wenn sie duscht, erscheint ihr wunderschoener Koerper in diesem Fenster. Meistens rufe ich dann meinen Mann: „Du, Karli, jetzt musst du kommen. Die Frau Letsch ist wieder beim Duschen!" Man sieht sie wunderbar, wenn es Nacht ist und das Licht brennt.

Das gefaellt Ihnen?

Ich habe auch Freude, meinem Mann zu sagen: „Schau mal, die Frau Letsch!"

Und Sie, haben Sie auch Freude daran?

Ja. Ich schaue die Frau wirklich gern an. Aber ich bin kein Voyeur, der warten wuerde, bis die Frau Letsch wieder am Fenster erscheint. Ich schaue hin, wenn ich sie zufaellig sehe. Ich bin sicher, dass sie selber es gar nicht gern haette, wenn sie wuesste, dass man sie so sieht. &endash; Jetzt faellt mir ein: Wenn es mir mit meinem Mann so schlecht ging, dachte ich oft: „Wenn ich eine nahe Freundin haette, bekaeme ich von ihr die Zaertlichkeit, nach der ich mich sehne." Das waren schoene Fantasien.

Trotz vieler widerwaertiger Erfahrungen scheinen Sie nicht verbittert zu sein.

Wissen Sie, ich habe im Lauf der Jahre sehr viele Illusionen ad acta gelegt, weil ich merkte, dass man besser lebt mit weniger Illusionen. Man wird bescheidener. Das ist meine kleine Weisheit, die ich erlangt habe. (Lacht) In mir drin bin ich jetzt recht zufrieden.

Welche Illusionen haben Sie ueber Bord geworfen?

Zum Beispiel Geborgenheit: Das werde ich mit meinem Mann nicht mehr erleben. Er kann mich nicht in die Arme nehmen und halten. Er versteht es nicht, sich ausdruecklich fuer mich zu interessieren.

Sie muessen fuer sich selber sorgen?

Genau. Und dafuer bin ich jetzt noch stark genug.

...............

 

Fuer jeden Orgasmus ein Kreuz in der Statistik

Ernst (73 J.) ist pensionierter Maschinenbauingenieur, seit 51 Jahren liiert und seit 49 Jahren verheiratet mit Kaethi (69 J.), Hausfrau und frueher Floristin; zwei Soehne (40 und 45), eine Tochter (42).

 

Die Vorgeschichte:

Ernst hat seit 40 Jahren Probleme mit dem vorzeitigen Orgasmus, war auch schon bei 3 aerzten deswegen, die ihm aber alle nicht helfen konnten. Vor 27 Jahren beschwerte sich Kaethi beim Pfarrer, der Ernst daraufhin vorwarf, zu oft „zu ihr zu gehen". Dadurch verletzt und gekraenkt begann Ernst, penibel Tagebuch zu fuehren, um zu belegen, dass er mit seinem Beduerfnis nach Sex (Ergebnis: durchschnittlich 2 Mal pro Woche) nicht „abnormal" sei.

Kaethi findet den Geschlechtsverkehr nur mit gleichzeitigem Orgasmus befriedigend und verweigert sich immer oefter. Zaertlichen Beruehrungen weicht sie eher aus. Seit einigen Jahren haben die beiden getrennte Schlafzimmer.

„Vor zwei Jahren sagte ich ihr offen, sie sei mir eigentlich eine schlechte Sexpartnerin gewesen in der Ehe. Ich haette nicht die wahre Lust und Freude mit ihr ausleben koennen. Sie antwortete mir: „Es tut mir eigentlich leid, dass ich dir nicht bieten konnte, was von einer Frau zu erwarten gewesen waere." Darum habe ich ihr verziehen - das ist selbstverstaendlich fuer mich."

Seit etwa einem halben Jahr haben die beiden nicht mehr miteinander geschlafen…

 

… Aber da Sie mich nicht danach fragen, sage ich es Ihnen selber: Ich bin vor zwei Jahren so weit gekommen, dass ich anfing, es mir selber zu machen.

Frueher machten Sie das nicht?

Nein, nein! Vorher hatte ich das doch nie noetig! Jedenfalls, seit ich meine Frau kannte. In unserem ersten Jahr gingen wir nicht miteinander ins Bett. Sie war die Unschuld vom Lande. Wir schmusten miteinander, und sie merkte nicht einmal, dass es mir gekommen war, in der Hose. Sie hatte keine Ahnung, wie Sexualitaet funktioniert.

Klaerten Sie sie auf?

Ja, sicher!

Genossen Sie die Selbstbefriedigung?

Ich weiß, dass ich das eigentlich nicht darf. Seit diesem Jahr gibt's das auch nicht mehr! Ich war bei einem Seelsorger, und der sagte mir, dass ich das nicht machen solle. Ich will ja wirklich den Schritt auf meine Frau zu wieder tun, verstehen Sie?

Genossen Sie es im letzten und vorletzten Jahr?

Im Moment jeweils schon, aber der Frust kam hinterher immer.

Schlechtes Gewissen?

Ja, es fehlt einem ploetzlich die wahre Liebe, und natuerlich der Koerper der Frau.

Gefaellt Ihnen Ihre Frau noch, mit ihren 69 Jahren?

Jaja! Sie hat 55 Kilo! Sie ist eine schoene Frau, wissen Sie! Sie hat einen wunderschoenen Koerper, wunderbare, gepflegte Beine und ist gut gekleidet. Eigentlich ist sie eine Superfrau. Ich moechte sie keinesfalls einem Anderen geben. (Lacht)

Beruehrt Sie Ihre Frau gern?

Meine Frau ist nicht der Typ, der in dieser Hinsicht angriffig ist. Ich musste von jeher immer den Schritt auf sie zu machen.

Wissen Sie, womit Sie zu rechnen haben, wenn Sie auf sie zugehen?

In guten Zeiten laesst sie die Schlafzimmertuere offen ueber Nacht. Wenn sie nicht gut auf mich zu sprechen ist, ist die Tuere zu.

Wie war sie heute morgen?

Zu.

Sie begrueßen sie aber trotzdem am Morgen?

Wenn ich ihr am Morgen zum erstenmal begegne, druecke ich sie immer an mich, streichle ihr uebers Haar und gebe ihr einen Kuss. Leider muss ich lernen, auch hier noch zurueckhaltender zu werden. Sie mag es nicht besonders, wenn ich auch nur ein klein wenig stuermischer werde. Sie sagt mir ab und zu, sie moechte gern einen „ausgeglichenen" Mann haben.

Sie suchen immer wieder den Weg zu ihr?

Aber sicher!

Wie machen Sie das?

Indem ich lieb bin zu ihr. Gerade vorgestern sagte sie mir: „Du bist wirklich lieb zu mir." Das tat mir trotz allem wohl und gab mir das Gefuehl, dass die gegenwaertige Duerreperiode ihrem Ende zugeht. uebrigens haben wir ein Geheimzeichen, wenn wir tagsueber miteinander spazieren gehen: Ich halte ja ihre Hand dabei, und wenn ich ihr nun mitteilen moechte, dass ich am Abend Lust auf sie haette, dann kitzle ich sie leicht an der Handinnenflaeche. Kommt von ihr das Gleiche zurueck, weiß ich, dass ich mich riesig freuen darf auf die bevorstehende sexuelle Begegnung. Allerdings muss ich immer in Kauf nehmen, dass sie am Abend trotzdem muede ist oder ihr irgendeine Laus ueber die Leber gekrochen ist. - Ich musste lernen, flexibel zu sein. Wenn keine Antwort auf mein Kitzeln kommt, weiß ich, dass heute nichts zu machen ist. So funktioniert das bei uns seit eh und je. (Lacht)

Sie sind erregbar wie eh und je?

Ja, das waere ich. Ich wuerde es allerdings meinem Koerper nicht mehr antun, drei-, viermal pro Woche Sex zu haben. Das wuerde ihn zu sehr schwaechen. Frueher waere das kein Problem gewesen.

Wie geht das, wenn Sie mit ihr schlafen?

Wenn alles normal laeuft zwischen uns, gehe ich abends regelmaeßig zu ihr. Sie ist leider ein Morgenmuffel, aber ich weiß, dass ich am Morgen kaum Probleme haette mit meinem Orgasmus. Da bin ich ganz locker und entspannt.

Das habe ich einmal meiner Frau sogar vorgeschlagen, aber sie sagte: „Ou nein, weißt du, ich brauche zuerst meinen Kaffee und so ..." Ich ließ nicht locker: „Dann koennten wir doch nach dem Fruehstueck ...", aber sie sperrte sich einfach und sagte: „Schau, ich hab immer so viel los, die Blumen, der Einkauf,

das Staubsaugen ..." Stress! Das ist sehr schade.

Dann findet es also am Abend statt?

Ja, am Abend.

Wer ist zuerst im Bett?

Immer meine Frau. Sie stickt und sieht fern dazu.

Ist das Fernsehen Ihr Konkurrent?

Ein sehr großer Konkurrent. Wenn ich sehe, dass ich keine Chance habe, ziehe ich mich in mein Zimmer zurueck und lese dort lange und gemuetlich.

Stellt sie den Apparat ab, wenn Sie zu ihr kommen?

Nein, meistens moechte sie die Sendung zu Ende sehen. Aber ich habe natuerlich die Fernbedienung zur Hand, um wenigstens zu verhindern, dass sie nicht auch noch in die naechste Sendung hineinrutscht. Jaja, das Fernsehen ist ein Problem.

Wie koennte das heute Abend sein?

Heute Abend will sie den „Kassensturz" sehen - aber ich werde mich trotzdem neben sie legen ...

... und zu ihr hinueberlangen?

Ja, ich werde versuchen, ihre Hand zu nehmen. Ich muss aber damit rechnen, dass sie sie wegzieht und weiterstickt.

Geben Sie dann auf?

Nein, das darf ich eben nicht mehr. Vielleicht wartet sie gerade darauf, dass ich nicht aufgebe.

Dann versuchen Sie, sie zu erregen. Wissen Ihre Haende, wie und wo sie das am besten machen?

Jaja, das wuesste ich schon. Aber da muss ich Ihnen gestehen: Wenn ich sie streichle und etwas oberhalb ihrer Knie vorstoße, nimmt sie mir die Hand schon weg. Und das ist natuerlich einer der Gruende, warum ich nachher zu stark erregt bin.

Will sie gar nicht erregt werden oder nur auf eine andere Art?

Das sagt sie mir nicht. Ich weiß es nicht.

Beruehrt Sie Ihre Frau auch?

In schoenen Stunden ja.

Wo? ueberall?

Nein, nicht ueberall. Mein Glied wuerde sie nicht gern beruehren. Sie macht es hoechstens durch den Pyjama hindurch.

Vielleicht macht sie das nicht, weil sie zu Unrecht fuerchtet, Sie haetten auf der Stelle einen Orgasmus?

Das koennte sein. uebrigens, da ist noch etwas: Wenn ich nach dem Eindringen eine gewisse Zeitspanne ueberbruecken kann, ohne zu kommen, dann bin ich faehig, es lange Zeit auszuhalten, und zwar ohne Schwierigkeiten, und es ist sehr schoen fuer uns beide. Dann kann ich es richtig genießen. Kritisch sind eigentlich nur die ersten Momente der Vereinigung.

Kann sie Ihnen helfen, die kritische Eroeffnungsphase heil zu ueberstehen?

Ja, indem sie akzeptiert, dass ich am Anfang unter Umstaenden schnell wieder raus muss - obwohl sie das nicht so gern hat.

Wie erleben Sie Ihre Frau beim Liebemachen: Gibt sie sich hin, oder stellt sie sich zur Verfuegung?

Beides im Extrem! Manchmal ist sie ein regloser Hafersack, und wenn ich Glueck habe, ist sie eine mitschwingende, wunderbare Frau, die ihre Freude ausdrueckt. Aber ich glaube, hinter allem steht auch bei ihr diese staendige Angst, dass es mir zu frueh kommt und dass sie ihre Entspannung nicht erreichen koennte. Ich glaube, das ist so, auch wenn sie es nicht zugeben will. Immerhin hat sie sich einige Male nach dem Verkehr selbst befriedigt.

Waren Sie dabei?

Ja, ich lag neben ihr und hielt sie fest und kuesste sie. Sie will, dass ich ihr ganz nahe bin, offenbar damit es fuer sie ist, als ob ich es waere, der sie befriedigt, nehme ich an. Ich sagte ihr, dass sie mich begluecke, wenn sie's noch fertigmache, denn ich sei sonst enttaeuscht ueber mich. Es entlastet mich wirklich. Und schließlich danke ich ihr noch dafuer. Vor etwa einem Jahr dankte sie mir einmal, als sie ihren Orgasmus mit mir erlebte. Das hat mich fast umgehauen. Ich merkte, welche Freude das fuer sie ist.

Hat Ihre Frau schon miterlebt, wie Sie sich's selber machen?

Ich mir?! Nein! Das ist nicht noetig!

Vielleicht moechte sie mal sehen, wie Sie's machen?

Ou, nein! Das wuerde ihr total abloeschen. Und ueberhaupt: Da wuerde ich natuerlich viel lieber zur Frau gehen und nicht onanieren. Onanieren war fuer mich immer eine Notloesung, die fuer mich mit einer gewissen Scham verbunden ist …

Bedeutet Ihnen Orgasmus Befriedigung?

Ja. Er ist der Hoehepunkt, das Tuepfelchen auf dem i, das Dessert. Aber sie sagte mir ganz klar, die hauptsaechliche Freude erlebe sie im Liebesspiel, nicht eigentlich im Orgasmus - der sei ihr nicht wichtig. Sie lebe von der Liebe, vom Hautkontakt, vom Herz. Sie erklaerte mir auch, sie waere absolut zufrieden, wenn sie einmal pro Monat den Hoehepunkt erleben wuerde. Aber das alles glaube ich ihr einfach nicht.

Was geschieht, wenn Sie - im besten Fall - beide einen Hoehepunkt erreicht haben?

Da liegen wir nebeneinander, halten einander fest an der Hand, kuessen uns. Wir sagen uns vielleicht, wie schoen es war und dass wir es gern wieder mal haetten. Und meine Frau sagt vielleicht: „Gelt, wir haben es schoen miteinander?!" Wir kennen natuerlich viele Leute in unserer Umgebung, die seit langem nichts mehr miteinander haben im Bett …

Sie genießen es, wie es nachher ausklingt?

Ja, das tun wir beide. Ich ziehe sehr bald meine Pyjamahose an, damit nicht etwa ein Tropfen von meiner Fluessigkeit mit ihrem Oberschenkel in Beruehrung kommt - ich weiß, wie empfindlich sie ist.

Dann stoert es Ihre Frau auch, wenn ihr das Sperma unten rauslaeuft?

Sie hat sofort ihr Tuechlein zur Hand und putzt sich damit, sogar schon wenn ich noch in ihr bin. Ich habe ihr gesagt, das stoere mich. Ich glaube, das hat sie jetzt kapiert. Sie legt aber immer einen dicken Molton aufs Bett, wenn wir Verkehr haben, zum Schutz der Matratze.

Was passiert weiter nach dem Orgasmus?

Gewoehnlich haben wir ein Joghurt auf dem Nachttisch parat und einen Loeffel. Das essen wir dann miteinander.

Und waschen?

Ja, das ist klar! Wenn ich geschwitzt habe, gehe ich duschen.

Noch vor dem Joghurt?

Ja, sofort nach dem Verkehr. Manchmal muss ich sogar waehrend des Verkehrs aufstehen und unter die Dusche, weil ich fuerchte, es koennte ihr abstellen wegen meines Schwitzens.

Nehmen wir an, Sie haetten einen Wunsch frei: Was wuerden Sie sich fuer Ihre Sexualitaet wuenschen?

Meinem Alter entsprechend moechte ich einmal in der Woche mit meiner Frau zusammen sein, und zwar genuegend lange und entspannt: Eine Stunde lang waere schoen! Vielleicht koennte ich ihr in einem solchen Moment mal sagen, dass sie sich an der Klitoris beruehren lassen sollte, wenn sie einen zuverlaessigen Orgasmus haben moechte. Es koennte sein, dass wir eine therapeutische Hilfe in Anspruch

nehmen muessten. Ich bin ganz zuversichtlich, weil ich meine Frau sehr lieb habe.

Wenn ich Ihrer Frau die gleiche Frage stellen wuerde: „Welche Entwicklung wuenschen Sie sich fuer Ihre Sexualitaet?", welche Antwort wuerden Sie erwarten?

Sie wuerde sagen: „Das ist mir nicht so wichtig. Ich moechte einen ausgeglichenen Mann!" Aber einen solchen Mann gibt es auf Erden nicht, hoechstens im Fernsehen.

Und was waere ihr sexueller Wunschtraum?

Sie moechte vermutlich einmal im Monat Verkehr, aber richtig!

Also Verkehr mit gleichzeitigem Orgasmus?

Genau. (Lacht) Sie sehen, ich war ein offenes Buch vor Ihnen. Ich war offen und ehrlich und habe Sie nie angelogen. Das darf ich vor Ihnen und vor Gott sagen.