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Behindert
Hey Leute, ich bin der Adi! Ich bin seit 15. 11. 1963 auf dieser Welt
und von Geburt her Spastiker. Ich bin zwar nicht schwerst behindert,
doch kennt man es mir sehr an. Ich war als Kind viel in Heimen, denn
damals hat es das Angebot, so wie es heute für Behinderte gibt,
leider nicht gegeben. Da ist dir nichts anders übergeblieben als
ein Heim. Als Junge bin ich sogar in die Schule gegangen, aber dort
haben mich die Lehrerinnen zu wenig gefördert - deshalb bin ich
heute nicht gut im Rechtschreiben.
Leider gibt es Eltern, die ein behindertes Kind haben und es nicht haben
wollen und darum hergeben oder es zu Hause einsperren. Doch Behinderte
haben genau so ein Recht wie die gesunden Menschen. Wir leben auch genau
so wie die anderen, soweit es möglich ist, und wir tun was wir
wollen - nur eines dürfen wir nicht tun: Uns gehen lassen. Das
ist das Schlechteste, was wir tun können. Behindert ist man wirklich,
wenn man sich es einredet…
Bei uns im DORF leben auch Menschen, die früher ganz gesund waren
und auf einmal durch ein Unglück oder einen Verkehrsunfall behindert
sind. Natürlich ist das noch schwerer, als wenn man als Behinderter
auf die Welt kommt, wie es bei mir der Fall war. Wir kennen nichts anderes,
doch wenn man gesund war und auf einmal nicht mehr machen kann, was
man will, ist das sehr hart. Aber die müssen auch mit ihrem Los
fertig werden und möchten bestimmt auch nicht von anderen bemitleidet
werden. Mitleid mag eigentlich kein Behinderter.
Ich stelle mir oft die Frage, warum gibt es all dieses auf der Welt?
Aber man soll das Beste daraus machen und nicht dasitzen und in die
Luft schauen, weil es trotzdem noch viel Schönes auf der Welt gibt.
Auch wird es nicht besser, wenn man sehr viel trinkt oder Drogen nimmt,
wie ich es früher getan habe und wie es viele tun. Der Kummer verlischt
so nur für ein paar Stunden, später, wenn man vom Rausch aufwacht,
ist es wieder wie früher…
Seit 1980 wohne ich hier im Dorf. Ich habe viele Freunde, mit denen
ich mich sehr gut verstehe und meine Freizeit verbringe. Ich suche so
viel Kontakt wie möglich und möchte den anderen immer ein
Beispiel sein, denn es gibt Behinderte, die zu feige sind, sich in der
Öffentlichkeit sehen zu lassen. Sie fürchten, dass sie verspottet
werden. Aber das müssen wir schon auf uns nehmen, was viele leider
nicht tun…

Schwul
In der Pubertät als die ersten sexuellen Gefühle kamen und
die Neugier und ich meinen Körper entdeckte, wollte ich nicht immer
allein erforschen. Mein Zimmerkollege im Heim in Peuerbach war so alt
wie ich und war halt irgendwie nicht abgeneigt vom Doktorspielen, so
nannten wir das damals. Aber ich hatte immer ein schlechtes Gewissen,
weil es immer geheißen hat, das ist eine Todsünde. Es war
ein Heim wo die Nonnen das Sagen hatten - und einmal hat uns eine Nonne
im Bett erwischt. Da war echt der Teufel los! Ab dann sind sie immer
zur Kontrolle gekommen. Wenn sie dich erwischt haben, dann hat es nichts
zu essen gegeben und du musstest dich vor der Tür 1 Stunde hinknien
als Buße. Da war ich so 15 Jahre…
Mit 17 bin ich dann nach Altenhof ins DORF gekommen und habe dort immer
wieder versucht, normal zu sein (normal zu scheinen). Ich hatte deshalb
doch einige Beziehungen mit Frauen, im Dorf galt ich als „Weiberer“.
Ich bin sogar so weit gegangen, dass ich mich mit einer Frau verlobte!
Aber es ist (natürlich) nicht gut gegangen - es war halt immer
wieder der verzweifelte Versuch am „Normalsein“ festzuhalten.
Ein Jahr hat es gehalten und in dieser Zeit hatte ich doch immer wieder
was mit Männern - ich konnte einfach nicht aus meiner Haut! Aber
das musste ich sehr gut verbergen und musste mich auch selbst belügen…
So ging das bis 1997 - dann habe ich es nicht mehr aushalten können
und mit meiner besten Freundin drüber geredet! Das Gespräch
hat mir echt gut getan. Es war, wie wenn man einen Stein um den Hals
verliert! Dann hat die Freundin gesagt, ich solle zu dem stehen was
ich bin. Das machte ich. Ganz klein fing ich an. Hab es immer mehr Freunden
erzählt, dann meiner Schwester und meinem Schwager… und gemerkt,
dass die alle gar nicht so arg reagierten.
Nach langer Überlegung habe ich mich dann mal bei der Hosi erkundigt,
ob es in meiner Nähe nicht so einen Schwulen-Stammtisch gibt. Der
Typ war recht nett am Telefon und fragte mich, ob er vorbei kommen soll
um mit mir mal zu reden. Eine Stunde später war der Thomas da,
ich hab mir gedacht ich sterbe vor Aufregung. Das war für mich
ein schwerer Schritt. Und es hat noch ein paar Monate gedauert bis ich
dann hingefahren bin. Da waren lauter hübsche Männer und ein
Behinderter - der war ich! Natürlich hatte keiner mit mir geredet,
außer der Thomas. War recht aufgeregt und fühlte mich sehr
alleine. Sie waren behinderte Menschen halt überhaupt nicht gewohnt.
Aber ich wollte mich irgendwie in die Gruppe integrieren und bin immer
wieder hin, habe immer wieder versucht, mit ihnen zum Reden zu kommen.
Nach einen halben Jahr hat’s hingehauen. Jetzt bin ich voll integriert
in der Gruppe. Ein Mal im Jahr hat Hosi einen Ball in Linz - klar, da
bin ich voll dabei. Ein Freund von meinem Dorf war auch mit. Aber wir
waren unter 1000 Leuten die einzigen Menschen mit einer Behinderung!
Ich bin jetzt auch oft in einem Gay-Chat drin. Aber wenn ich zu den
Chatpartnern sage, dass ich eine Körperbehinderung habe, sind sie
fast immer weg! Und das ist echt scheiße. Ich muss leider auch
sagen, dass es sehr viel Schwulen einfach nur um Sex geht und mehr nicht.
Da bin ich schon oft sehr enttäuscht, weil ich suche dort doch
auch einfach nette Leute. Aber das ist fast unmöglich, weil wirklich
gut unterhalten geht fast nicht, weil alle gleich das eine wollen. Aber
die Hoffnung darf man(n) ja bekanntlich nicht aufgeben…
Es ist wirklich nicht so einfach, wenn man körperlich behindert
ist und schwul. Ich sag oft zu mir: Wenn ich noch mal auf die Welt komme,
dann werde ich entweder behindert oder schwul - aber beides zusammen
ist eines zu viel. Hihi! Aber man darf sich von nichts unterkriegen
lassen! Ok, das ist leichter gesagt wie getan. Man muss einfach gute
Freunde haben und hartnäckig sein und immer wieder einen Schritt
nach dem anderen tun.
Transgender
Irgendwie fühlte ich mich als Kind schon anders! Beim Spielen
ist es schon losgegangen. Ich spielte halt immer lieber mit Puppen und
so was und wollte immer voll gerne Röcke anziehen. Aber im Heim
haben sie immer gesagt, das geht doch nicht und du bist ja ein Junge,
die machen das ja nicht und sie wollten mich halt auch als Junge erziehen.
Aber irgendwie ist was falsch gelaufen bei mir. Beim Faschingsumzug
habe ich mich immer als Mädchen angezogen, weil das war der einzige
Tag wo es ging und keine Probleme gab. Aber in dieser Zeit hatte ich
mir auch gedacht, das geht vorbei… ist es aber nicht…
Heuer habe etwas ganz wichtiges beschlossen für meine Zukunft.
Im Jänner 2008 mache ich eine Psychotherapie für transgender
Leute. Weil ich halte das nicht mehr aus wie mein Leben ist. Es wird
immer schwieriger für mich! Es soll mal Schluss sein mit dem hin
und her Getue. Will endlich ein Leben, wie es eigentlich von meiner
Geburt an sein sollte: als Frau. Ich war mir noch nie so sicher bei
einer Sache wie jetzt. Den Traum, als Frau leben zu können, habe
ich seit ich denken kann. Und wenn man einen Traum verwirklichen kann,
dann muss man das machen. Wenn man nur träumt und nichts tut, wird
man nur unglücklich und unglaubwürdig.
Sicher, leicht wird mein Leben gerade nicht werden - aber leicht war
auch mein Leben als behinderter Mensch nicht. Es werden sich halt viele
Freunde von mir abwenden, aber mit dem muss ich umgehen lernen. OK,
dass ich ein ganze Frau werde, wird nie sein, so klug bin ich auch,
aber zumindest ein Stück näher kommen, das ist schon ein großer
Traum für mich. Auch wenn ich ein Leben lang ohne Partner bleibe,
ist das nicht so schlimm, als würde ich das nicht durchziehen.
Wenn man so ein Leben hat als Transgender, ist die Partnerauswahl sicher
noch mehr im Keller, als bei einem Schwulen. Aber wie ich bin, bin ich
halt und das ist gut so. Keiner hat alle 10 Sachen beisammen.
Ich wünsche mir, dass Gott und meine Eltern mir verzeihen…

Mensch
Ich mache mir oft so viel Gedanken über so Vieles… Bei dem,
was wir Menschen alles ertragen müssen wird einem oft echt schlecht
dabei. Wenn man glaubt, man ist oben und hat es geschafft, dann geht
es schon wieder runter. Aber so spielt halt das Leben. Oft fragen mich
die Leute, ob ich immer so gut drauf bin, weil sie mich nie traurig
sehn. Dann sage ich, es gibt oft auch andere Zeiten - aber die sehn
die Anderen kaum, weil oft wird nur so nebenbei gefragt „Geht’s
dir leicht nicht gut“, aber das war es schon. Die Menschen haben
das echte Zuhören verlernt und das aufeinander Zugehen. Das ist
ganz schön traurig. So viele Menschen bräuchten jemanden,
der ihren Sorgen echt einfach zuhört… Es sind so viele Menschen
alleine, aber jeder geht seinen Weg und schaut nicht links und rechts.
Er geht seinen Weg und das war’s. Man sollte öfter verschiedene
Wege einschlagen, weil man dann viele interessante Menschen kennenlernt.
Weil essen tut man auch nicht immer dasselbe, oder? Ich glaube, jeder
hat seine guten und seine schlechten Seiten - und das macht das kurze
Leben oft spannend. Wenn ich heute sterben sollte, dann müsste
ich nicht denken, dass ich was versäumt hätte, weil ich wirklich
mein kurzes Leben so gut es ging ausgelebt habe. Mein Leben ist sicher
nicht gerade einfach - 1. bin ich behindert und 2. transgender - aber
für mich ist es ok. So wie es jetzt ist, das ist mein Weg, den
ich gehe, obwohl er steinig ist. Aber lieber steinig, als ein ganzes
Leben lang einen Weg gehen, der unglücklich macht. Unglückliche
Menschen gibt es zu Genüge auf der Welt. Da muss ich nicht auch
dazu gehören…
Man sollte auch immer versuchen, dass man ein Mensch bleibt, der Gefühle
zeigen kann, nur so ist das Leben lebenswert. Man soll auch nicht immer
ein Mitläufer sein, sondern das leben, was für dich das Richtige
erscheint. Das hat mich mein Leben gelehrt. Ich war und bin ein Querdenker,
ich stelle gern alles in Frage und nehme nicht einfach alles so hin,
auch wenn es vielleicht Andere von mir erwarten. Was man aus Überzeugung
macht ist im meisten Fall richtig.

Sein
Heute ist der 28.01.2008 und wieder mal ein schwarzer Tag. In der Früh
ist eine Freundin und Mitbewohnerin meines Hauses ganz plötzlich
gestorben. Sie war erst 40 Jahre alt. Gestern haben wir noch zu Mittag
mit ihr eine Gaudi gehabt, und heute ist sie einfach tot und kommt nie
wieder zurück. In mir ist wieder alles hoch gekommen, wie viele
Menschen die ich geliebt hatte vor mir gegangen sind… Warum müssen
immer die Menschen, die ich liebe, vor mir sterben? Ich bin auch fertig,
weil noch zwei Menschen wahrscheinlich vor mir gehen! Das sind Mama
und Papa. Vor dem hab ich so viel Angst, dass ich das nicht mal zum
Ausdruck bringen kann. Da könnte ich nur heulen. Ich weiß
einfach nicht, wie ich darauf reagiere!… Auf jeden Fall, wenn
es einmal so weit ist bei meinen Eltern, werde ich gar nicht so hart
fallen, weil so viele gute Menschen mich auffangen…
Wer weiß, vielleicht träumt man jetzt auch nur, dass man
lebt - und nach dem Tod erwacht man dann erst zum Leben?… Heute
habe ich auch mit einer guten Freundin geredet, über meinen Tod
und ob sie dafür sorgen möchte, dass bei mir nicht der Tod
hinausgezögert wird, sondern dass ich in Würde sterben kann.
Weil meinen Tod will ich so gut es geht selber vorbereiten. Dem Zufall
will ich nichts überlassen. Auf der einen Seite lebe ich echt voll
gerne, aber auf der anderen Seite ist am Tod auch was Gutes dran, weil
dann tut nichts mehr weh, und man muss sich nicht mehr mit dem Leben
herumstreiten und Berg- und Talfahrt spielen… Wenn ich recht müde
bin vom Leben und ich bin mit meinem Fahrzeug unterwegs, erwische ich
mich oft bei einem verrückten Gedanken: Was wäre, wenn ich
auf einmal mein Fahrzeug verreiße, und ein Auto fährt mich
zusammen, und meine Seele macht sich auf und davon. Dann sitze ich auf
einer Wolke und sehe zu. Schon von klein auf träume ich, dass ich
mal auf einer schönen warmen Wolke sein möchte… Jedenfalls,
ohne Musik werde ich nie in meinem Leben sterben, weil Musik immer mein
Begleiter ist. Auch bei meinem Fahrzeug ist eine Musikanlage dabei -
das heißt, wenn es wirklich mal so sein sollte, ist vorgesorgt…
So wie heute, da wünsche ich mir so sehr einen Freund neben mir,
der für mich da wäre und ich für ihn. Aber wenn man immer
alleine ist und durch die graue Welt läuft, kann das trostlos sein
und kalt. In meinem Leben habe ich irgendwie einiges in der Liebe verspielt.
Wenn ich mein Leben gelebt hätte, so wie 100.000 andere auch, dann
wäre ich sicher mit einer Frau zusammen. Aber nein, ich muss einen
falschen Körper haben. Wenn ich so nachdenke, sind alle mit denen
ich früher irgendwie zu tun hatte, jetzt mit einem lieben Menschen
zusammen. Wenn man ehrlich ist, werde ich nie einem Mann bekommen. Oft
liege ich im Bett und könnte nur heulen. Vielleicht bin ich ein
Dornenvogel, der singt auch nur einmal.
Lebt euer Leben so, als wenn jeder Tag der Letzte
wäre!
Adi-Ida Landgraf
… nennt sich seit Neuestem lieber Ida - wer mehr über
ihn/sie wissen will, ist auf seiner reichhaltigen Homepage jederzeit
willkommen. Ab ca. 20 Uhr ist er täglich online und freut sich
sehr über neue Kontakte und vielleicht auch neue Freunde…!?
Internet-Kontakt: http://members.baumnet.at/a.landgraf
E-mail-Kontakt: landgraf@gmx.at
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