NOMEN est OMEN
Du heißt, wie du bist - du bist, wie du heißt

von Joachim Schaffer-Suchomel

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„Wenn du hervorbringst, was in dir ist, vermag das, was in dir ist, dich zu heilen. Wenn du aber nicht hervorbringst, was in dir ist, dann vermag das, was in dir ist, dich zu zerstören. ”
(Thomas-Evangelium)

Seit jeher ist es ein Grundbedürfnis des Menschen, zu erkennen, wer er ist und worin seine ureigene Bestimmung und Aufgabe liegt. Das Wissen darüber ist nicht nur fundamental wichtig für jegliche Lernprozesse, sondern auch für Teamarbeit. Fehlt uns dieses Wissen, treibt uns Anerkennungshunger an, und das Gerangel um einen Platz im System nimmt seinen Lauf -im Familiensystem, im Klassenverband, unter Kollegen, im Gesellschaftssystem, aber auch im Staatenverbund. Im Kleinen wie im Großen beginnen sich die Menschen zu bekriegen, ohne zu kriegen, was sie wirklich brauchen. Verstehen wir uns selbst, können Dinge wie von selbst entstehen.

Ein Weg, um mehr über sich selbst und die eigene Lebensaufgabe zu erfahren, ist das Beleuchten des eigenen Namens. Das Wissen um Namens-Essenzen erleichtert darüber hinaus das Verständnis anderer Menschen. Im Begriff Nomen ist das Omen enthalten - ebenso verweist „ich heiße” auf die Verheißung, das Geheiß - und im Wort Namen befindet sich das Amen, was „So sei es!” bedeutet. Entdeckt und entwickelt werden kann nur, was bereits in uns vorhanden und offenbar ist. Das ist die „Geheime Offenbarung”. Geheim kommt von Heim und steht im Kontext zu „sich heimisch fühlen”. Dieser Denkansatz ist phänomenologisch, was sichtbar machen, erscheinen bedeutet. Alles, was ist, auch wenn es noch so tief im Verborgenen ruht, scheint durch alle Schichten des Lebens hindurch...


„Der Eigenname eines Menschen ist nicht etwa wie ein Mantel, der bloß um ihn herumhängt und an dem man allenfalls noch zupfen und zerren kann, sondern ein vollkommen passendes Kleid, ja wie die Haut selbst, ihm über und über angewachsen...”
(Johann Wolfgang von Goethe)

Im Namen spiegelt sich das WESENtliche im Wesen eines Menschen wider. Ein Beispiel: Der Großteil eines Lehrerkollegiums hatte Probleme mit einem Schüler namens Andreas. Das altgriechische andreios bedeutet mannhaft, tapfer. Andre-as wird vom As seines Namens gezogen, dem höchsten Trumpf im Kartenspiel: Gerne will er der Beste sein, am liebsten, indem Andreas es anders macht als die andern, was auch als Anagramm in seinem Namen auftaucht. Fühlt er sich in dieser Kraft anerkannt, zeigt er sich sozial engagiert und ist ganz selbstverständlich für die anderen da. Wird der Essenz seines Namens aber entgegengesteuert - soll er sich also etwa in der Schule unterordnen, ohne das Gefühl zu haben, dass sein „Anderssein” prinzipiell akzeptiert ist - dann wird er Probleme bereiten, indem er sich vehement wehrt und aufsässig wird.
Ein weiteres Beispiel für dieses Anderssein finden wir beim Apostel Andreas: Er wurde nicht an ein normales, T-förmiges Kreuz geschlagen, sondern an ein anderes, in X-Form. Er fand sich nicht würdig, wie sein Herr, Jesus Christus, zu sterben. Daher stammt der Terminus „Andreaskreuz”, welches wir von Bahnübergängen kennen.

Auch Gabi machte Probleme im Team: Sie beschwerte sich immer wieder, von den anderen ausgenutzt zu werden. Eine Gabi gibt und gibt und verausgabt sich letztlich, obwohl Gabriele doch im Grunde genommen „Gott macht stark” bedeutet... Doch Gabi gibt und vergisst Gott (der für ihre Größe steht), und vergisst so letztlich auch sich selbst.
Ähnlich erging es Achim, der bis zur Erschöpfung arbeitete, weil er glaubte, alles allein machen zu müssen. Achim geht zurück auf Joachim, von hebräisch „jehojakim = Jahwe wird aufrichten”. Achim versuchte das ohne Jo (= Jehova, Gott). Wird jemand Achim getauft oder gerufen, sollte er sich stets an die Ursprungsform seines Namens Joachim erinnern, damit die Hilfe Gottes mit in sein Leben kommt.


Der Volksmund weiß es...
Redensarten mit Namen
verraten WESENtliches!

Viele Redensarten verwenden Namen. Der Volksmund weiß also, was hinter dem Namen so alles steckt.
Wenn wir z.B. sagen „Der Hans, der kann’s!”, drücken wir damit schon aus, dass der Hans begnadet ist. Der Name ist die Abkürzung von Johannes, wörtlich: „Jahwe hat Gnade erwiesen”. Von Hans wird Geschicklichkeit und Stabilität erwartet. Der in der Gnade Gottes stehende Hans spiegelt sich auch im Märchen Hans im Glück wider. Der englische Hans heißt Jack, dies taucht im Jackpot auf, dem Glückstopf, den viele knacken möchten. Für das Glücksspiel Black Jack dient der Glück verheißende Hans gleichfalls als Namensgeber. Doch als „Hans Dampf in allen Gassen” gerät der Namensträger auch ins Zwielicht. Diese leicht abwertende Redensart steht für „überall dabei sein” und „sich auskennen” - oder zumindest so zu tun, als ob man sich auskennt. Ohne notwendige Bescheidenheit wird der Namensträger zum Prahlhans oder gar Hanswurst, und Hänseleien bleiben ihm dann nicht erspart.

Fühlt sich jemand nicht ausreichend beachtet, „macht er den Louis” - das heißt, er oder sie probt den Aufstand und macht sich dadurch unvergesslich. Die Namen Louis oder auch Luise bedeuten laut und bekannt - der zweite Teil „wig” von Ludwig bedeutet zudem im Althochdeutschen Ringen, Kampf und Krieg.

Der „wilde Max” wiederum wird überspitzt in Wilhelm Buschs „Max und Moritz” dargestellt. Das lateinische Wort maximus heißt „sehr groß, bzw. der Größte”. Kleinsein und nicht gesehen zu werden ist das Schlimmste, was Max, Maxim, Maximilian und Maximiliane passieren kann. Max, vor allem Mäxchen, wird schnell ungeduldig und markiert gern auch mal „den wilden Max”.


„Bei euch, Ihr Herrn,
kann man das Wesen gewöhnlich aus dem Namen lesen.”

(Goethe, Faust)

Natürlich hat nicht nur der Vor-, sondern auch der Familienname etwas mit uns zu tun. Hier zwei prominente Beispiele: Der gesellschaftskritische Schriftsteller Bertolt Brecht machte seinem Nachnahmen alle Ehre, durch sein Werk ruft er uns zu: Brecht mit alten Wertvorstellungen! Berühmt wurde sein provokanter Ausruf: „Was ist der Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?!” Der Vorname Bertolt kommt aus dem Althochdeutschen: „beraht” bedeutet strahlen, glänzen, „olt” bedeutet walten, herrschen. Dies gab Bertolt Brecht die Kraft, gegen den Strom zu schwimmen und neuen Idealen zum Glanz verhelfen zu wollen; alte und ursprüngliche Werte wieder ans Tageslicht zu bringen, zu halten und zu bewahren.

Das Leben von Romy Schneider schwankte immer zwischen zwei Polen: Glanz und Gloria standen Schicksal, Dramatik und Tragik gegenüber. Ihr privates Leben und ihre Persönlichkeit blieben im Schatten ihres öffentlichen Glanzes. Ursprünglich hieß sie Rosemarie Magdalena Albach-Retty, nach ihrem Vater Wolf Albach-Retty. Den Familiennamen Schneider übernahm sie von ihrer Mutter Magdalena Schneider. Romy, eine Koseform ihres richtigen Namens Rosemarie, ist eigentlich eine „Lallform aus der Kindersprache”. Mit dem Namen wird vor allem eine kindlich-romantische Vorstellung vom Leben und der Welt festgehalten, ein Flair, mit welchem die Schauspielerin unendlich viele Fans in Bann hielt - durch den Film „Sissi”, aber letztlich auch sich selbst. In der Sissi-Rolle spiegelt sich ein Grundthema von Romy Schneider wider, denn auch Sissi ist eine Koseform (von Elisabeth) und damit ebenfalls eine „Lallform aus der Kindersprache”. Zu einer gelungenen Auseinandersetzung mit Leben, Trennung und Tod konnte Romy nicht kommen, sie blieb in der Tragik ihres Lebens gefangen. Für die Identitätsbildung eines Erwachsenen ist die Namensgebung durch eine Koseform ganz offensichtlich nicht förderlich. Dabei sind Rosa und Maria - die beiden Teile des Namens Rosemarie - große weibliche Namen, die durchaus dem öffentlichen Glanz der Schauspielerin hätten entsprechen können.


„Ein falscher Name -
das ist der Anfang vom Ende.”

(Shakespeare, Sommernachtstraum)

Auch bei Projekten oder Produkten können Erfolg und Misserfolg vom Namen abhängen. Im Jahr 1912 fuhr die Titanic - der damals schnellste und modernste Dampfer seit Menschengedenken - mit Volldampf in den Untergang. War der Name nicht Zeichen von Stärke und Sicherheit? Titanen sind in der griechischen Mythologie „die Gottgleichen”, welche durch Kraft die Welt regieren wollten. Offenbar vom Bild der Macht beeindruckt, beachteten die Namensgeber der „Titanic” den Ausgang der Geschichte nicht: Die riesenhaften Titanen lehnten sich gegen die Herrschaft des Zeus auf, der sie hierfür in den Tartarus, den tiefsten Abgrund der Unterwelt, stürzte. Analog dazu sank die Titanic auf den tiefsten Grund des Meeres und riss dabei 1517 Menschen mit in den Tod. Mächtige Namen ziehen (wie im Fall Titanic) übermütige Menschen an. Die Wahrscheinlichkeit, dass Unheilvolles eintritt, steigt.

Ein Paradebeispiel dafür, wie sträflich es sein kann, bei der Namensgebung den mythologischen Hintergrund zu ignorieren, lieferte der VW-Konzern: Ein Auto namens Phaethon konnte nur ein Flop werden! „Spiegel online” schrieb über die schlechten Absatzzahlen des Phaeton: „Der schleppende Fortschritt des VW-Sorgenkindes Phaeton in Deutschland verwundert selbst Branchenkenner”... Vermutlich weil diese nicht an die Wirkkraft alter Mythen glaubten: Phaeton war der Sohn des Sonnengottes Helios. Nachdem er von seinem Vater das Recht eingefordert hatte, den Sonnenwagen übers Himmelszelt zu lenken, zeigte sich, dass er trotz großer Worte keineswegs der Aufgabe gerecht werden konnte - denn aus Ungeschicklichkeit entfachte er dabei den großen Weltenbrand, dem er selbst zum Opfer fiel. So kam es zum ersten Unfall mit Totalschaden in der Verkehrsgeschichte der Götter. Der VW-Phaeton stellte sich als Möchtegern-Luxusauto heraus, das von den Kunden nicht angenommen wurde. Möchtegerns aller Facetten wollten dieses „Flaggschiff” gerne erwerben, aber sie konnten es sich nicht leisten. Außer Jörg Haider - der mit seinem Phaeton tödlich verunglückte, weil er zu weit rechts vom Weg abgekommen war. Eine Ironie des Schicksals.

Es gibt natürlich auch Beispiele für positive Auswirkungen einer Namensgebung: Die Bezeichnung Google basiert auf einem Wortspiel (manche Quellen sprechen auch von einem Rechtschreibfehler) bei der amerikanischen Aussprache des Wortes „googol”. Milton Sirotta (Neffe des US-amerikanischen Mathematikers Edward Kasner) hatte den Ausdruck im Jahr 1938 erfunden, um der Zahl mit einer Eins und hundert Nullen ... einen Namen zu geben. Die Google-Gründer wiederum suchten eine treffende Bezeichnung für die Fülle an Informationen, die ihre Suchmaschine im Web finden sollte. Google ist so erfolgreich, dass das Verb „googeln” in den kollektiven Wortschatz aufgenommen wurde.


Der intuitive Geist ist ein heiliges Geschenk und der rationale Geist ein treuer Diener. Wir haben eine Gesellschaft erschaffen, die den Diener ehrt und das Geschenk vergessen hat.
(Albert Einstein)

Die Buchstaben und Wortbilder jedes Namens erzählen also eine Geschichte:
Der Anfangsbuchstabe setzt stets den ersten Impuls. Zusammen mit dem letzten Buchstaben bildet er den Rahmen für die Entwicklung der Persönlichkeit. Dazu zwei letzte Beispiele:

Das Anfangs-R von ROMAN weist darauf hin, die Dinge in Ruhe ins Rollen zu bringen. Folgt er dem letzten Buchstaben N, dann gibt er all seinen Ideen einen guten Rahmen und Struktur. Dank O verfügt er über Gefühl, Leidenschaft und Kreativität. Nochmals sind Ruhe aus dem R und die Klarheit aus dem N gefordert, nämlich nein zu sagen, sich abzugrenzen, damit er nicht außer Rand und Band gerät. Das M unterstützt Roman, Geistiges zu materialisieren. Dank A sollte er mit dem Herzen dabei sein. Vernachlässigt er sein Herz, würde Roman wild und unverbindlich.

Und die Buchstabengeschichte von EVA ganz kurz und bündig:
Eva = Lebensschenkende; rückwärts Ave = so sei es!
E = Mit viel Energie die Stimme erheben und bestimmt auftreten (Das E ist dem Kehlkopfchakra zugeordnet).
V = Wesentliches und alles, was getrennt erscheint auf den Punkt bringen (Victory-Zeichen).
A = Alles, was du sagst, mit dem Herzen zum Großen führen (es gibt das Herzens-A und das Adler-A).


Wenn du jetzt neugierig geworden bist, was DEIN Name so alles aussagen kann:
HIER findest du eine Liste der Buchstaben-Bedeutungen von A - Z (PDF)



Infos und Literatur:

Joachim Schaffer-Suchomel
Jg. 1951, verheiratet, Vater von drei erwachsenen Töchtern, lebt in Deutschland/Raum Eschwege. Studium der Pädagogik und Psychologie, arbeitet als Persönlichkeitscoach vorwiegend in der Wirtschaft und schrieb mehrere Bücher zum Thema „Sprache und Persönlichkeit”.
Kontakt: www.brainfresh.net


Bücher vom Autor zum Thema:

• Nomen est Omen - Die verborgene Botschaft der Vornamen
(Verlag Arkana, 2007)

• Sage mir deinen Namen und ich sage dir, wer du bist
Die Bedeutung der 500 wichtigsten Vornamen
(Arkana, 2011)

• Werbewirksame Namen leicht gemacht
So finden Sie die besten Namen für Ihre Produkte, Unternehmen und Websites
(Redline, 2009)


Namensdeutung im Internet:

www.nomenestomen.net