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Nach 10 Jahren Tantra, Therapie und
Selbsterfahrung als Schuelerin und Lehrerin gibt es fuer
mich kein zu erreichendes Ziel mehr. Kein Endziel
Erleuchtung oder endgueltige Befreiung, kein ewiges
Verbleiben in der Großen Vereinigung, kein andauerndes
Aufsteigen der Kundalini. Der Weg selbst ist fuer mich zum
Ziel geworden, das Leben selbst in seiner Einfachheit und
Komplexitaet. Ploetzlich scheinen mir die esoterischen
Phrasen vom Eintauchen in das Hier und Jetzt - Es ist
bereits alles da - Du bist bereits vollkommen" nicht mehr
inhaltsleere Sprueche, die einem mueden Geist ueber die
Bruechigkeit der Realitaet hinweghelfen. Es sind strahlende
Wahrheiten, in die ich selber eintauchen kann mit meiner
ganzen Kraft, Liebe und Hingabe.
Und so definiert sich fuer mich auch
das Bild von Erleuchtung neu, weil ich erlebe, was
erleuchtend ist, was das Leben lebenswert und die Menschen
strahlend, ja leuchtend macht: Lebensfreude, Verliebtsein,
Kraft, Lust, Motivation.
Ich bin Frau, Tantrikerin, Mutter von
zwei Kindern,Geliebte und Liebhaberin, Geschaeftsfrau und
Therapeutin, Ehefrau - die typische zwoelfarmige
Frau-Goettin, die von sich selbst und von der die Anderen
erwarten, dass sie alle Aspekte in sich vereinigt, immer
lebenslustig, voller Kraft und Mut. Der Prototyp der neuen
Powerfrau: selbstverwirklicht, finanziell unabhaengig und
geschaeftsfaehig, mit wunderbar funktionierendem
Liebesleben, eine liebevolle Mutter und Freundin
Nur
putzen, kochen und buegeln tue ich aus Prinzip selten, und
wenn, dann fuer die Gemeinschaft, in der ich lebe und in der
Andere dasselbe auch fuer mich tun. Eigentlich unmoeglich,
diese Multiidealitaet zu erfuellen. Und schon gar nicht in
einem ewig gleichbleibenden harmonischen Gemuetszustand der
inneren Leere und Ausgeglichenheit!!!
Wer hat eigentlich definiert, was
Erleuchtung ist? Wer hat die auszuuebenden Praktiken
erfunden? Wer sagt, woran wir sie erkennen, die
Erleuchteten? Wie ueberall waren und sind es auch beim Thema
Spiritualtaet und Religion Maenner, welche die
Richtlinien" festlegen, die Buecher schreiben, die man
fuer erleuchtet" erklaert.
Und die Frauen? Ich sage: Die Frau ist
schon erleuchtet, von Anfang an! Sie traegt diese magische
Energie immer in sich und mit sich. Und jeden Monat oeffnet
sich fuer sie das Tor zu dieser Welt. Maennern fehlt von
Natur aus sowohl die Erfahrung der Menstruation als auch
jene von Schwangerschaft und Geburt. Daher begannen sie
Techniken und Wege zu erfinden, mit denen sich ihnen
aehnliche Erfahrungshorizonte eroeffneten, wie sie die Frau
natuerlicherweise hat. So entstanden yogische
Askese-Methoden, Mutproben, Initiationen, Zeremonien mit
Grenzerfahrungen von Leben und Tod - alles um verstehen und
erleben zu koennen, was fuer eine Frau natuerlich und normal
ist. Fuer eine Frau ist es vollkommen selbstverstaendlich,
dass sie Dinge ahnt, wie siepassieren werden - vor allem in
Beziehungs und Liebesdingen, was von dem Mann als krankhafte
Eifersucht ausgelegt wird und in esoterischen Gruppen als
das Schulen von hellseherischen Kraeften hochgejubelt wird.
Auch die katholische Kirche hat die Frauen mit Hexenhammer
und Hexenverbrennung pauschal verteufelt" - weil sie
den geistigen und zu hoeherem bestimmten Mann verfuehren mit
ihrer dreckig, suendigen Fleischeslust. Zwar sind die
Hexenverfolgungen seit 500 Jahren Vergangenheit, doch diese
Spaltung zwischen Geist und Koerper existiert in der
Gesellschaft und speziell in der Esoterik immer noch:
Erleuchtung und Sex sind unvereinbar. Das erlebe ich haeufig
in der Konfrontation mit anderen reinen" Esoterikern,
Reiki-Anhaengern oder einfach Sannyassins, welcher
Ausrichtung auch immer: das sexuelle Tantra wird als
schmutzig, niedrig angesehen und hat ihrer Meinung nach mit
Erleuchtung nichts zu tun.
Gefuehle, Liebe, Verliebtsein, Trauer,
Leiden, Lust, Streit, Schmerz, Power, Willenskraft,
Lebensfreude, Mitgefuehl, Verstaendnis, Ignoranz, Magie,
Hellsehen, Feinfuehligkeit und Ausdauer, Unerbittlichkeit
und Weichheit - all das gehoert fuer eine Frau zum normalen
Leben. Und all das wird in den meisten spirituellen Lehren
als nieder" und zu ueberwinden"
bezeichnet.
Doch da gibt es weder etwas zu
ueberwinden noch zu transzendieren - denn all dies ist schon
erleuchtet!
Ich will damit nicht sagen, dass jeder
Beziehungsstreit Audruck der (weiblichen) Erleuchtung ist
oder dass jede Hausfrau erleuchtet ist. Dennoch -
moeglicherweise ist die polnische Putzfrau von nebenan der
Erleuchtung viel naeher, als der schon zwanzig Jahre
praktizierende Yoga-Asket. Die einzig notwendige Zutat, die
frau zur Entfaltung ihrer Veranlagung zur Erleuchtung"
benoetigt ist Bewusstsein und Hingabe, die eigene Natur
anzunehmen und nicht dagegen anzukaempfen. Monat fuer Monat
oeffnet sich jeder Frau der Spalt zwischen den Welten"
(wie es Castaneda nennt), in den sie eintreten kann - tun
muss sie dies allerdings bewusst, indem sie dem Vorgang
zustimmt: Ja, ich fuehle Kraft, Energie und
Wahrnehmungsveraenderung in meinen Roten Tagen", den
Tagen der Menstruation, in denen die Kontrolle des Minds,
des Verstandes ausgeschaltet wird und der Bauch, der Koerper
die Fuehrung uebernimmt. Sage ich als Frau NEIN zu diesem
Zustand, in dem ich die Kontrolle ueber mich selbst, die
Ereignisse, meine Gefuehle, die anderen Menschen, meinen
Partner verliere, werde ich leiden, habe ich Schmerzen,
Depressionen, etc.. Sage ich JA, erfahre ich die
Kundalini.
Eine noch staerkerer
Erleuchtungserfahrung sind Schwangerschaft und Geburt, weil
sie einerseits viel laenger andauern und andererseits viel
staerker (auch hormonell) in den Organismus eingreifen, als
es die Menstruation tut. Die hormonellen Vorgaenge bei
Schwangerschaft und Geburt, Menstruation und bei Lust und
Sexualitaet sind die koerpereigenen Drogen einer Frau.
Werden sie abgespalten, vollzieht frau die oben beschriebene
maennliche Trennung zwischen Geist und Materie selbst - und
damit trennt sie sich selbst von ihrem eigenen Zugang zum
Goettlichen Ganzen, zu ihr als Goettin.
Also Frau, steig ein in deine
Goettlichkeit, sag JA zu dir selbst, fang gleich bei deiner
naechsten Mens damit an! Dann wird sich die Welt veraendern
- zunaechst deine innere und dann auch deine Umwelt, denn
die weibliche Kraft ist immens!
Und wo bleiben die Maenner?
Jeder Mann traegt in sich
schließlich auch eine Frau! Vereinige dich mit ihr,
freunde dich mit ihr an, und du wirst Wunder
erleben...!
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