Eva Schreuer im WEGE-Interview mit Siegfried Unger von der o.ö. Suchtprävention


Süchte gibt’s viele - das wissen wir ja alle. Aber wonach „süchtet“ denn uns Österreicher am allermeisten?
Das kann sich wohl jeder denken - am weitesten verbreitet sind bei uns jene Suchtmittel, die jeder kaufen kann: Alkohol und Nikotin. Bevor ich hierher kam, hab ich noch einen Kollegen gefragt, ob er dazu irgendwelche konkreten, aktuellen Zahlen weiß. „Vergiss es!“, hat er gemeint, „Die Rate liegt hier ohnehin bei 100%!“... Das ist zwar leicht übertrieben, aber die Realität bei diversen Umfragen, geht schon in diese Richtung. Wenn die Menschen gefragt werden, was sie schon zumindest einmal im Leben konsumiert haben, landet etwa Haschisch bei ca. 30%, Nikotin wird von ca. 70% mit ja beantwortet, und beim Alkohol gibt’s schon fast niemanden mehr, der noch nie...

Mal ganz provokant: Brauchen wir Menschen den Rausch?
Ich kenne keine Kultur, die gar keine Rauschmittel benutzt. Eigentlich geht es ja nur um den bewussten Umgang damit, um eine gewisse Reflexionsbereitschaft. Bleiben wir z.B. beim Alkohol - der hat durchaus auch seine positiven Auswirkungen, man wird lockerer im Gespräch, direkter im Umgang mit anderen, gefühlsbetonter… er kann wirklich ein Gleitmittel zur Kommunikationsförderung sein. Auch das Zigarettenrauchen hat ja einen sehr kommunikativen Aspekt. Das fällt mir immer wieder bei den diversen Seminaren auf: Während der Rauchpausen wird am meisten erzählt, diskutiert, besprochen... da lernt man die Leute erst wirklich kennen, obwohl man die meiste Zeit des Tages gemeinsam im Seminarraum verbringt.

Wir brauchen also Substanz bezogene Rituale, um lockerer miteinander zu kommunizieren? Wirklich…?
Das ist eine Frage der Gesellschaftsform. Wenn wir im Busch leben würden, würden wir vielleicht sagen „Komm, lass uns miteinander auf diesen Baum kraxeln und reden...“ oder „…lass uns ein Wildschwein jagen gehen“ oder so. Und bei uns heißt es halt „Komm, gehn wir miteinander eine rauchen“ oder „… auf ein Bierchen“ - das sind unsere Formen, um gemeinsam Auszeit zu praktizieren.

Und da gibt es keine Alternativen?
Sicherlich. Die Firma Swarovski in Tirol etwa überlegt gerade ernsthaft, den MitarbeiterInnen die Rauchpausen von der bezahlten Arbeitszeit abzuziehen - über die Sinnhaftigkeit solcher Interventionen könnte man natürlich streiten, ich bin gespannt, was dabei herauskommt... Aber bei Seminaren mit Jugendlichen merke ich immer wieder: wenn in den Pausen genügend Alternativen zur Verfügung stehen (Obst, Kuchen, Tee, etc.), oder wenn sie da z.B. auch Musik machen können - dann wird wesentlich weniger geraucht. Und man kann Regeln ausmachen, wie z.B. Geraucht wird nur in der großen Vormittagspause… Das Finden und Weitergeben von solchen Alternativen ist eine unserer Aufgaben in der Präventionsarbeit. Vorbeugen heißt für uns aber auch, sachlich zu informieren, Ursachen aufzuspüren und neue Lösungswege zu finden. Das fängt schon beim Kindergarten an - in unserem Team gibt es eine spezialisierte Kollegin, die sich nur mit dieser Altersgruppe auseinandersetzt. 60% unserer Arbeit konzentrieren sich aber auf den Schulbereich - also auf die Arbeit mit Schülern und Lehrern und Eltern.

Wie kann man in Schulen mit dem leidigen Thema „Rauchen erlaubt oder nicht“ umgehen?
Im Großen und Ganzen sollte es darum gehen, den Einstieg zu verzögern - wenn einer mit 19 Jahren noch nie geraucht hat, ist es schon sehr unwahrscheinlich, dass er später zum Sucht-Raucher wird. Es GIBT Schulen, die hier schon sehr gute Möglichkeiten gefunden haben, die ihre Schüler fragen, was sie denn in den Pausen gerne tun würden und ihnen Alternativen anbieten, etwa Gesunde Jause, Tischtennistische, Lese- oder Computerräume… Manche Schulen lösen das Problem auch so, dass sie den Kids ab einem gewissen Alter das Rauchen zwar erlauben, aber die Umstände erschweren (etwa mit der Regel: Rauchen nur im Raucherhof - und der ist extrem ungemütlich).

Das mit den Verboten ist aber so eine Sache...
Klar, Information und Reflexion sind immer sinnvoller, als ein Verbot. Denn jeder von uns weiß aus eigener Erfahrung: ein Verbot ist für einen Jugendlichen so etwas, wie eine versteckte Aufforderung, fast schon ein Befehl. Was strikt verboten wird, ist besonders interessant. Jetzt erst recht! Ich meine aber, dass man hier auch das Alter berücksichtigen muss. Ein 11- oder 13-Jähriger braucht Verbote, auch als Grenzen, an denen er sich festhalten und orientieren kann. Dazu fällt mir eine Situation mit meinem eigenen Sohn ein, als er sich mit 14 Jahren unbedingt ein Video anschauen wollte. Ich kannte den Film und fand ihn ziemlich brutal - also ein klares NEIN von meiner Seite. Dass er sich den Film später heimlich bei einem Freund angeschaut hat, ist verständlich und auch zweitrangig - aber ich als Vater habe klar Position bezogen, ein Signal gesetzt, das ist das Wesentliche. Genauso verhält es sich mit dem Rauchen: Auch wenn ich nicht verhindern kann, dass ein 14-Jähriger heimlich mit seinen Schulfreunden raucht, kann ich es ihm verbieten, es zu Hause zu tun. Zu jedem Verbot gehört aber immer die sachliche Information - sowohl über die negativen als auch über die positiven Aspekte einer Substanz - jede(r) Jugendliche sollte zumindest wissen, was er tut, was er zu sich nimmt und in welchem Setting. Das neue Jugendschutzgesetz geht schon recht gut in diese Richtung - nicht mehr nur zu verbieten, sondern auch zu informieren. Da gibt es z.B. jene Empfehlung des Gesundheitsministeriums, die erst kürzlich veröffentlicht wurde und jedem erwachsenen Bürger rät, wöchentlich zwei alkoholfreie Tage einzulegen. Denn erstens kann sich dabei die Leber immer wieder erholen, und zweitens ist dies ein guter Gradmesser, um zu erkennen, wie abhängig man oder frau von einer bestimmten Droge ist, wie leicht es einem fällt, einfach zwei Tage darauf zu verzichten. Es geht einfach um ein Bewusstmachen gewisser Verhaltensmuster, und um Selbstreflektion - wenn man das kann, ist unkontrolliertes Sucht-Verhalten gar kein Thema mehr.

Legal oder Illegal sagt ja keineswegs etwas über die Schädlichkeit einer Droge aus. Erst kürzlich hab ich wieder gelesen, dass die legale Droge Alkohol dem Körper wesentlich mehr zusetzt, als das illegale Marihuana…
Das stimmt, das hat die Forschung eindeutig belegt. Bei den gesetzlichen Verboten geht es aber immer auch um kulturelle Gepflogenheiten - und der Alkohol hat bei uns einfach - sagen wir mal - „gewonnen“. Dass es bei uns sogar bis 1924 drei Zigarettenmarken gegeben hat, die Marihuana-Anteile enthielten, ist mehr oder weniger in Vergessenheit geraten... Haschisch wird bei uns noch immer als Einstiegsdroge Nummer Eins abgestempelt. Gerade im letzten Wahlkampf haben wir dieses Argument immer wieder zu hören bekommen. Aber da stimmt etwas in der Formulierung nicht - und die Medien servieren uns solche Fakten immer so, dass viele Menschen einen völlig falschen Schluss daraus ziehen. Es stimmt zwar, dass 95% der Heroinsüchtigen mit Kiffen angefangen haben - daraus lässt sich aber nicht schließen, dass alle Haschischraucher zwangsläufig heroinsüchtig werden. Das wäre genauso, als würde man hergehen und die Behauptung aufstellen: Alle Raucherinnen sind Huren - weil Tatsache ist, dass 100% aller Prostituierten Zigaretten rauchen...! (lacht)

Ich frag mich, wie unsere „neue“ Regierung mit dem Drogen-Thema umgehen wird... Aber gesetzt den Fall, du wärst einer der Hauptverantwortlichen für die österreichische Drogenpolitik - was würdest du ändern, und wie würdest du den rechtlichen Umgang damit gestalten?
Zu allererst wünsche ich mir eine Normalisierung im Gespräch, in der Öffentlichkeit, in den Medien. Das ganze Drogen-Thema wird derart zum Mythos erhoben, ist so mit Ideologien behaftet - dadurch wird’s ja erst recht spannend! Und rechtlich würde ich beim logischen nächsten Schritt beginnen: Den Umgang mit den legalen Drogen etwas verschärfen, also z.B. beim neuen Jugendschutzgesetz ansetzen und auch den Erwachsenen noch eindringlicher begreifbar machen, warum es tatsächlich sehr schädlich für einen Achtjährigen ist, Bier oder gar Schnaps zu trinken… oder für einen Jugendlichen das Zigarettenrauchen, usw. - und bei diesbezüglichen Vergehen durchaus auch öfter eingreifen. Auf der anderen Seite würde ich den Bereich der illegalen Drogen etwas lockern und entkriminalisieren, d.h. nicht mehr den Konsumenten mit Anzeigen und Drohungen bombardieren, sondern sich vor allem auf die Dealer und Verteiler konzentrieren. Das wiederum bedingt eine verstärkte Schulung und Aufklärung der Exekutiv- beamten. Im letzten Jahr gab es 25.000 Anzeigen wegen Verdacht auf Drogen-Konsum, 80% davon bezogen sich auf den Besitz von Marihuana - stell dir mal vor, was uns das kostet, wenn die Polizei in allen diesen Fällen ernsthafte und genaue Recherchen betreibt...!

Wie wird eine derartige Anzeige konkret exekutiert?
Ich kenne zwar nur die oberösterreichischen Verhältnisse - aber hier ist es so, dass der Umgang mit dem Drogen-Thema von Bezirk zu Bezirk sehr unterschiedlich ist. Es gibt Bezirke, in denen wird ein Drogenring ausgehoben, und dahinter stehen 15 Anzeigen - und in anderen Gegenden wird auch eine Dealer-Gruppe aufgedeckt, aber mit 300 Anzeigen im Hintergrund. Verstehst du, was ich meine? Bei den 300 Anzeigen sind sicherlich nicht mehr Dealer dabei, wie bei den anderen - das lässt darauf schließen, dass die Beamten meist großen Druck auf die Jugendlichen und die Bevölkerung insgesamt ausüben… Und besonders fängt der Kas zum Stinken an, wenn in einer ländlichen Ortschaft zwei, drei Kids etwa beim Kiffen er-wischt wurden - da weiß dann bald der ganze Ort: „Das sind die Giftler!“ Dazu kommt oft noch das Pech, dass sie aus der Schule geschmissen werden, oder gar die Lehrstelle verlieren - wobei die Betriebe hier meiner Erfahrung nach mehr zu ihren Jugendlichen stehen, als manche Schulen...

Gibt es denn in diesem Bereich keine rechtlichen Regelungen?
Das neue Suchtmittelgesetz zeigt im §13 einen ganz klaren Weg auf, wie eine Schule mit einem derartigen Fall umzugehen hat - nämlich sich bewusst mit diesem Thema auseinanderzusetzen, auch gemeinsam mit dem Schularzt, mit den Schülern und Eltern… und es gibt auch schon Schulen, die das vorbildlich umsetzen. Aber leider gibt es auch solche Schul-Direktoren, die bei „begründetem Verdacht“ (d.h. es ist ihm irgend ein Drogengeschichtchen von mehreren Seiten zu Ohren gekommen) gleich zum Telefon greifen und die Polizei anrufen. Gottseidank gibt’s aber auch hier wieder jene Bezirkskommandanten, die einen Lehrer sofort auf diesen §13 hinweisen und sagen: „Damit sind Sie bei uns an der falschen Stelle, Sie müssen in diesem Fall anders vorgehen!“ Wenn aber eine Schulleitung diese gesetzlich empfohlenen Richtlinien ignoriert und den Betroffenen einfach aus der Schule schmeißt, dann gibt es keinerlei Konsequenzen. Klar bringen Drogengerüchte jeden Schuldirektor in eine schwierige Lage - aber genau da setzen wir ja verstärkt an. Wir haben heuer eine Menge Termine mit SchulleiterInnen und Schulärzten, wo wir besonders über diesen §13 reden und aufklären. Und die Erfahrung zeigt, dass derartige Vorfälle sehr gut völlig schulintern gelöst werden können.

Und die Medien spielen ja auch eine wesentliche Rolle bei dem ganzen Drogen-Theater…
Autsch, da triffst du bei mir einen wunden Punkt. Auf die Medien bin ich gar nicht gut zu sprechen. Die sind auf Schlagzeilen aus, schreiben oft nur total einseitig über irgendwelche Substanzen oder diverse Drogen-Fälle… Aber das Schlimmste ist: Alles, was in der Zeitung steht, wirkt auf die Jugendlichen wie eine Werbung. Durch Zeitungsberichte kommen viele erst überhaupt auf die Idee, dass dieses zu kosten oder jenes zu schnüffeln vielleicht interessant sein könnte… solche (meist falschen) Zeitungsberichte tragen wesentlich zur Förderung des Probier-Konsums bei! Denn überleg mal, was sind denn die äußeren Auslöser, etwas überhaupt einmal auszuprobieren? Man hat davon gehört, in der Zeitung gelesen, in der Clique wird darüber gesprochen und gequatscht... und je öfter das Thema zur Sprache kommt, desto stärker reift der Entschluss: „So, jetzt will ich das endlich auch mal ausprobieren!“ Und erst nach dem ersten oder mehrmaligen Konsum wird dann entschieden: „Das nehm ich weiterhin!“ oder „Das ist nix für mich.“

Aber ist es nicht so, dass ohnehin jene Kids am meisten suchtgefährdet sind, die auf seelischer Ebene Probleme haben?
Das will ich jetzt nicht verallgemeinern - aber zum Großteil hast du damit schon Recht. Fast alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die zu viel von einer Substanz zu sich nehmen oder Suchtverhalten entwickeln, haben Probleme in der Sozialisation, in der Familie oder andere seelische Schwierigkeiten. Zum Anderen kann man hier auch eine Altersgrenze ziehen: Im Alter von so ungefähr 13 bis 17 Jahren ist das Ausprobieren (sei es nun Rauchen, Alkohol trinken, etc.) völlig normal - und bei den meisten bleibt’s dann auch beim Probieren. Wenn aber ein Achtjähriger beginnt, am Glimmstengel oder an der Schnapsflasche zu nuckeln, dann ist das absolut unnatürlich. Dann kann man davon ausgehen, dass der mit ziemlicher Sicherheit Probleme hat, ob nun zu Hause, mit seinen Freunden oder in der Schule. Vor einigen Jahren gab es eine Studie vom Anton-Proksch-Institut, die das Einstiegsmotiv mit der Einnahme von „weichen“ (Haschisch…) und „harten“ (Opiate, wie Kokain, Heroin etc.) Drogen in Beziehung setzte. Das Ergebnis war eindeutig: jene, die aus einem Problem heraus probiert haben, griffen viel häufiger gleich zu harten Drogen - die einfach Neugierigen bevorzugten mehr die weichen Substanzen. Der Begriff weiche und harte Drogen ist aber schon überholt, wir sprechen heute nur mehr von „weichen oder harten Gebrauchsmustern“. Denn, mit Haschisch kann sich zwar noch immer keiner umbringen - aber trotzdem kann ein täglicher Kiffer echte Schwierigkeiten mit seiner Alltagsbewältigung kriegen.

Welche Kriterien bestimmen denn, wann ein Konsumverhalten zur Sucht wird?
Zuerst ist es schon einmal ein gehöriger Unterschied, ob jemand einen Joint am Montagmorgen oder am Samstagabend raucht - verstehst du, was ich meine? Oder beim Alkohol: Trinke ich mein Bier schon am Vormittag mit den Arbeitskollegen, oder am Wochenende beim Stammtisch. Aber natürlich gibt es auch klare, objektive Richtlinien, welche Muster als Sucht-Verhalten gelten: Das ist z.B. der Kontrollverlust (Ich kann nicht mehr frei entscheiden, ob ich die Substanz zu mir nehme oder nicht) und eine Dosissteigerung während der letzten Monate, und auch wenn die Substanz oder das Verhalten (bei Essstörungen z.B.) zum Lebensmittelpunkt wird, also den ganzen Tagesablauf bestimmt. Aber super, dass du dieses Thema angesprochen hast, denn dazu hab ich noch was Wichtiges zu sagen: Viele Österreicher meinen, wenn jemand einmal z.B. Marihuana geraucht hat, ist er schon süchtig! Illegale Drogen beinhalten automatisch den Sucht-Charakter. Das ist absoluter Blödsinn! Keine einzige Substanz zwingt sozusagen den Körper bei einmaligem Konsum gleich in ein Suchtverhalten. An solch verzerrten Sichtweisen sind auch die Medien Schuld, die verunsichern viele Leute und geben ein falsches Bild weiter. Denn - seien wir doch mal ehrlich - ich trau mich das ja fast gar nicht hier öffentlich auszusprechen, aber es weiß sowieso jeder halbwegs intelligente, denkende Mensch: In unserem Land gibt es Tausende Menschen, die auch illegale Substanzen sehr wohl kontrolliert konsumieren können! Die ein soziales Netz haben und so weit zur Selbstreflexion fähig sind, dass sie bewusst entscheiden, in welchem Setting und mit welchen Leuten sie dies oder jenes zu sich nehmen. Die sind sicherlich alle miteinander keine „Süchtigen“. Der entscheidende Faktor ist immer nur der Umgang mit der Substanz, nicht der Konsum an sich.

Wie sollten Eltern reagieren, wenn sie beispielsweise draufkommen, dass ihr Sohn/ihre Tochter mal einen Joint geraucht hat?
Wenn mich Eltern in einer derartigen Situation um Rat fragen, antworte ich einfach mit einer Gegenfrage: „Wie würden Sie reagieren, wenn es Alkohol gewesen wäre?“ Egal ob es nun Haschisch oder Tequila oder Ecstasy oder was auch immer war, der richtige Umgang ist immer der gleiche: Darüber reden, informieren, reflektieren, ehrlich sein (auch mit meinen eigenen Erfahrungen und Ängsten). Wenn es gelingt, im Gespräch zu bleiben - ohne den moralischen Zeigefinger hervorzukehren, zu verteufeln, zu schimpfen - dann wird Bewusstsein geschaffen, und Wissen, und Erkenntnis - was ist gut für mich, was schadet mir, wovon sollte ich lieber die Finger lassen… Natürlich ist das auch eine Frage der Gesprächskultur in einer Familie. Wieviel Zeit wird gemeinsam verbracht, wie werden Konflikte ausgetragen, wie werden Unterhaltungen geführt? Mit „Jetzt rück schon raus damit - sonst knallt’s!“, wird man bei Pubertierenden sicherlich nicht ankommen. Was ich auch wirklich schlimm finde, sind Eltern, die ihren Kindern nachspionieren, etwa in Schubladen herumstöbern oder heimlich Tagebücher lesen, um nicht die Kontrolle über ihr Kind zu verlieren. Auch wenn sich Jugendliche zu manchen Zeiten absolut verschlossen und stur verhalten (jeder, der Kinder hat, kennt das), gibt es immer Wege zur Kontaktaufnahme. Wenn mein Sohn mal wieder so eine Phase hat, dann schaue ich, dass wir einfach gemeinsam etwas unternehmen, z.B. das Fahrrad reparieren oder so - was glaubst du, wie dem dann plötzlich das Mundwerk geht! (grinst)

Mir fällt auf, dass wir immer nur von Jugendlichen reden - sind die denn tatsächlich am meisten suchtgefährdet?
Gute Frage. Realität ist nämlich, dass bei uns in Österreich die Frauen über 40 am meisten suchtgefährdet sind. Warum? Die Kinder sind aus dem Haus, der Wechsel beginnt… - es stellt sich plötzlich die Frage „Wer bin ich überhaupt?“, „Welchen Sinn hat mein Leben…?“, und speziell Frauen greifen dann zu Tabletten und/oder Alkohol. Bei den Männern steigt die Suchtgefahr rasant an, wenn sie über 60 sind - klar, da ist es das Aussteigen aus dem Arbeitsprozess, das die Sinnkrise ins Rollen bringt. C.G. Jung sagte, spätestens mit 40 sollte man beginnen, sich mit dem Sinn des Lebens und vor allem mit der eigenen Sterblichkeit auseinanderzusetzen. Wenn man dazu zu feig ist, kann man vielleicht auch mit 50 damit beginnen - mit 60 allerdings ist’s wirklich schon ein bissl spät…! „Sucht“ kommt von „Suche“ - der spirituelle Aspekt ist hier für mich ein ganz wesentlicher. (grinst) Und das war jetzt ein super Schlusswort!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

INFOS:

Siegfried Unger
Jg. 59, Vater eines Sohnes (17), Erzieher, NLP-Master, arbeitet seit 20 Jahren in der Jugend- u. Erwachsenenbildung, seit 1997 in der Prävention/O.Ö.

Infoseiten im Internet: www.praevention.at
- alles über Vorbeugug
www.checkyourdrugs.at
- Infos zu Substanzen
www.api.or.at
- Thema: Alkohol www.legalisieren.at
- Thema: Hanf
www.ess-stoerungen.at - ebendieses...

 

 

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