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Vergangenen Sommer
gab's wieder mal ein kurzes Aufflackern der Diskussion um
ein leidiges Thema. Denn seit August können schwule und
lesbische Paare in Deutschland heiraten, also ihre
Partnerschaften eintragen lassen - und genießen
dadurch annähernd die selben Rechte, wie Hetero-Paare.
Unser seliges Österreich-Inselchen ist also auf der
Schwulentoleranzliste der EU-Länder weiter nach hinten
gerutscht. Wir haben mit gleichgeschlechtlichen
Partnerschaften noch immer ein Problem und behandeln sie
rechtlich wie einander völlig Fremde. Im Gegensatz zu
heterosexuellen Partnern haben homosexuelle bei uns kein
Eintrittsrecht in den Mietvertrag ihres verstorbenen
Lebenspartners, kein gesetzliches Erbrecht, kein Recht auf
Pflege-freistellung oder auf beitragsfreie Mitversicherung,
Nachteile im Einkommenssteuerrecht, bei der
Wohnbauförderung, Sozialhilfe, undsoweiterundsofort.
Erschreckend intolerant zeigten sich unsere Landsleute bei
einer heurigen Umfrage zum Thema: Mehr als die Hälfte
hält nichts davon, diese Umstände gesetzlich neu
zu regeln.
Auch die (katholische)
Kirche protestierte aus gegebenem Anlass umgehend. Klar -
schon wieder geht's ans Ein-gemachte, man lässt sie
einfach nicht in Ruhe, die braven Kirchenmänner, von
denen keiner gewillt ist, ein Statement über seine
eigene (hetero-, homo- oder etwa gar nicht vorhandene???)
sexuelle Empfindlichkeit abzugeben. Dass jenes Thema ihre
eigenen, kirchlichen Reihen ganz sicher betrifft und
aufwühlt, muss einem Menschen mit halbwegs
funktionierendem Denkvermögen und Hausverstand auch
klar sein. Eine Institution, in der (fast)
ausschließlich Männer zusammenleben und
-arbeiten, unter der Auflage, keinerlei sexuellen Regungen
oder gar Beziehungen zu Frauen zuzulassen, muss
logischerweise jene mit gegenteilig sexuellen
Bedürfnissen geradezu magisch anziehen. Der Salzburger
Weihbischof Laun fand gleich einen triftigen Grund, warum
solche Menschen" umdenken sollten: Homosexuelle
haben eine um 20 bis 30 Jahre kürzere Lebenserwartung!"
- ? - Und natürlich muss auch Bischof Krenn wieder
medial herhalten - der die erzkonservative Hardliner-Seite
der Katholen allerdings auch in dieser Sache vorbildlich
vertritt. Zitat aus News (31/01, auf die Frage nach
Gründen der Diskriminierung): Was heißt
hier diskriminierend? Eine Sünde ist eine Sünde."
Und zu Homosexuellen, die in der Kirche aktiv sein wollen,
sich aber durch deren Haltung verstört fühlen,
würde der gute Gottesmann folgenden Zeigefinger gen
Himmel erheben: Gott liebt euch, aber ihr müsst
euch bekehren. Denn Homo-sexualität ist kein Weg des
Lebens".
Toleranz braucht
Neugier
Jede(r) von uns muss
sich hierzu wohl seine eigene Meinung bilden (im Sinne von
Bildung...). Eines ist aber unumstößlich - hier
gehts um Toleranz! Und die haben wir zu lernen. Die
aktuellen Ereignisse im Weltgeschehen zeigen, dass sich
diese Forderung gar nicht allein auf Österreich
bezieht, sondern aufs gesamte menschliche
Kollektiv.
Was aber ist Toleranz?
Manche (die meisten?) begnügen sich mit einer raschen
Definition derselben: Menschen sind einfach
verschieden - und jeder soll in seiner Facon glücklich
werden. Punkt." Mit derart oberflächlichen Abhandlungen
wird sich nicht viel ändern. Denn geht es mal wirklich
tiefer (sprich ums Wohlbefinden, ja Überleben von uns
ALLEN), verlieren wir uns ganz schnell wieder in
Verurteilungen, Schuldzuweisungen, Schwarzweißdenken,
Rache- und Machtgelüsten, etc.etc.
Echte Toleranz ist
etwas Gewachsenes. Gewachsen aus einer ehrlichen, inneren
Auseinandersetzung - zuerst mit sich selbst - und erst in
der Folge mit der Tatsache, dass alle Menschen im
Außen anders sind, anders denken als ich, anders
handeln, anders fühlen
Und dann ist Neugier
angesagt. Im positivsten Sinne des Wortes. Wie empfindest
DU? Wie fühlst, denkst, handelst du wirklich? Warum?
Ich will es wissen! Ich will es verstehen, um neben und mit
dir leben zu können. Derart gewachsene Toleranz
brauchen wir, braucht die Menschheit - im Moment dringender
als alles Andere!
Da fällt mir auf:
Warum verweigern meine Finger gerade hier die Computertasten
L-I-E-B-E?? Weil dieses Wort in der spirituellen,
ganzheitlichen, esoterischen Szene schon derart behaftet ist
mit Süßlichkeiten, Oberflächlichkeiten,
Unwahrheiten
dass ich es nicht einfach leichtfertig
verwenden will. Aber ja, jene gewachsene Toleranz ist
Grundbedingung für unsere Liebesfähigkeit. Ja
okay, es geht um Liebe. Die nur ehrlich empfunden werden
kann, wenn ich mich bemühe zu verstehen.
Bewusst abrupt will
ich diese Überlegungen aber jetzt unterbrechen - sonst
entsteht hier ein Artikel über die Liebe an sich, und
das hatte ich eigentlich nicht vor
Oder in gewissem
Sinne doch, denn es soll hier um die Liebe zwischen
gleichgeschlechtlichen Partnern gehen. Und wo liegt der
Unterschied zwischen Liebe zwischen Frau und Mann" und
Liebe zwischen Mann und Mann" oder Liebe
zwischen Frau und Frau"?
Liebe ist Liebe. Ihre
äußeren Ausdrucks- und Erscheinungsformen sind so
vielfältig, wie die Menschen vielfältig sind. Ein
Beispiel aus unserem Freundeskreis möchte ich dir in
dieser WEGE gern weitergeben. Auch, weil es mir selbst ein
gutes Stück weitergeholfen hat, zu verstehen. Und ich
danke Markus und Adrian für das folgende Interview -
ihren persönlichen, aktiven Beitrag zu wachsender
Toleranz und menschlichem Verstehen.
Die beiden sind schwul
und leben in einer (wenn auch leider nicht rechtlich
abgesicherten) Ehe- und Lebensgemeinschaft. Sie arbeiten in
derselben Linzer Firma und haben ihre Beziehung von Anfang
an weder vor ihrem Freundeskreis noch vor ihren
Arbeitskollegen verborgen.
Markus, als wir
uns vor Jahren kennenlernten, warst du ja mit einer Frau
verheiratet
Markus: Ja, das
war meine erste feste Beziehung. Christine und ich waren
neun Jahre zusammen, es war eine ganz normale Beziehung, wie
jede andere
Hast du schon
damals homosexuelle Tendenzen bei dir
bemerkt?
Markus: Heute,
im Nachhinein betrachtet, klar war da schon was - aber es
war mir nicht wirklich bewusst. Ich hatte vor der Ehe schon
Kontakte zu Homosexuellen - die habe ich zwar nicht
körperlich ausgelebt, aber ich fand die Leute immer
spannend und hatte viel Spaß mit ihnen. Aber erst am
Ende dieser Hetero-Ehe" ließ ich mich auch
sexuell auf Männer ein
und hast
dich auch verliebt?
Markus: So
richtig verliebt habe ich mich - und das zum ersten Mal in
meinem Leben - in Adrian. Als ich ihm begegnet bin, erlebte
ich zum erstmals diese Aufregung, dieses Herzklopfen, dieses
Kribbeln im Bauch, nicht wissen, was man reden soll, wenn
ich ihn anschaue
dabei wusste ich nicht mal seinen
Namen
!
Meine damalige Frau
ist natürlich aus allen Wolken gefallen, als ich es ihr
erzählt hab, die hatte keinen Dunst davon.
Und du, Adrian,
hattest du auch früher Liebesbeziehungen zu
Frauen?
Adrian: (beide
lachen schallend) Nein, nie, bei mir war immer schon klar,
dass ich schwul bin. Schon in der Schule, in einem Alter, wo
meine Freunde begonnen haben, sich für Mädchen zu
interessieren, ihnen auf den Busen und auf den Po geschaut
haben, habe ich immer ganz wo anders hingeschaut. Ich hab
damals noch gar nicht an Sexualität gedacht, konkrete
Bilder oder sexuelle Vorstellungen gehabt - aber es haben
mich einfach nur Männer angezogen und interessiert. Nur
einmal habe ich mit einem Mädchen geschmust - aufgrund
einer Wette mit Freunden (traust dich eh nicht, und
so
). Aber als sie meine Hand auf ihren Busen legte,
habe ich die sofort weggezogen und aufgehört - weil es
mir unangenehm war und es mich überhaupt nicht
angetörnt hat. Die anderen Burschen haben mich dann
gefragt, was mit mir los ist, und ich sagte einfach:
Ich bin schwul - und lasst mich jetzt einfach in
Ruhe!" Die Reaktion darauf war nur Ach so! Warum sagst
du das nicht gleich!"
Ab dann war es einfach
klar.
Und keiner hat
dich gehänselt oder ungut behandelt?
Adrian: Nein,
nie. Alle haben es akzeptiert. Es war einfach offen und
ehrlich.
Markus: Das ist
auch die Erfahrung, die wir jetzt machen. Wir verstecken
unsere Beziehung vor niemandem. Überall, in der Firma,
aber auch wenn wir neuen Menschen begegnen zeigen wir uns
so, wie wir einfach sind und dass wir ein Paar sind. Wir
fahren da voll rein. Und noch nie haben wir Intoleranz oder
Vorurteile zu spüren bekommen.
Markus: Naja,
manche sind am Anfang schon skeptisch und wissen nicht so
recht, was sie davon halten sollen. Viele verbinden
Schwulsein auch mit so einem zickig-schwulen Gehabe und
beobachten uns dann genauer. Aber wir verhalten uns einfach
ganz offen und normal, so wie wir eben sind - und nach einer
gewissen Zeit sehen auch die Skeptiker, dass wir nicht
anders" sind, und dass wir einfach
zusammengehören und ein Paar sind, wie eben jedes
andere Pärchen auch.
Markus: Als wir
beim Wohnungsuchen waren, hätte ich bei unseren
jetzigen Vermietern vorerst gar nicht erwartet, dass wir die
Wohnung kriegen - weil es ist eine eher konservative"
Familie mit drei Kindern und so
Aber schon beim
Besichtigen haben wir erklärt, dass wir ein Paar sind,
und dass wir keine getrennten Schlafzimmer brauchen, usw. -
Heimlichkeiten führen in solchen Situationen doch nur
zu späteren Reibereien. Wir haben die Wohnung bekommen,
und das Verhältnis zu unseren Vermietern ist ehrlich
und freundlich.
Wenn's aber
ohnehin so einfach ist, warum gibt es dann so viele Schwule,
die diesbezüglich Probleme haben, sich gesellschaftlich
diskriminiert und nicht akzeptiert fühlen? Bilden die
sich da was ein
?
Markus: Also,
wenn ich mal ganz ehrlich bin: das ist oft auch eine
selbstgestrickte Geschichte. Manche Schwule (besonders die
schrillen, überzogenen") genießen es auch,
arm schwul" sein, und sie genießen auch den
Medien- rummel um ihre Veranlagung oder Lebensweise
Die Medien spielen meiner Ansicht nach das Thema auch oft zu
sehr hoch.
Allerdings wurde
erst kürzlich eine Umfrage veröffent-licht, die
zeigt, dass noch immer mehr als die Hälfte aller
Österreicher (ich glaube, es waren um die 60%) gegen
eine Gleichstellung homosexueller Beziehungen mit
heterosexuellen sind.
Markus: Ich
glaube, bei solchen Zahlen sollte man auch das
Verhältnis der Generationen berücksichtigen -
ältere Menschen haben einfach noch größere
Hemmschwellen, diese Beziehungsform zu akzeptieren. Wir
beide sind ja schon in den Siebzigern geboren, und unsere
Gleichaltrigen und Jüngere sehen das schon viel
lockerer
Adrian: Aber
meine Oma zum Beispiel hat auch überhaupt kein Problem
damit, dass ich mit einem Mann zusammen lebe. Wie alle
Verwandten - beiderseits übrigens. Unsere Verwandten
sind auch zu unserer Hochzeit gekommen. Einzig meine Tante
in Deutschland hatte ein Problem damit. Ich war immer ihr
Lieblingsneffe, ich bekam viele Geschenke von ihr, besuchte
sie oft (auch mit damaligen Partnern), wir halfen ihr im
Garten oder im Haushalt usw. - bis sie vor ca. sieben Jahren
erfuhr, dass ich schwul bin. Für sie ist das eine
ansteckende Krankheit - und so hat sie das ganze Zimmer, in
dem ich (wir) übernachtet hatten, sozusagen
desinfiziert, also komplett ausgeräumt, alle Möbel
weg, die Wände frisch gestrichen, und auch den Kontakt
zu mir völlig abgebrochen. Aber das ist ihr Problem,
eine gewisse Unwissenheit und Dummheit würde ich mal
sagen.
Ihr habt also
geheiratet? Ich dachte, das ist in Österreich nicht
erlaubt
Markus: Ja,
seit 17. Juni 2000 sind wir verheiratet. Nicht
standesamtlich natürlich. Aber nach dreieinhalb Jahren
Beziehung hatten wir einfach das Bedürfnis, unseren
Freunden und unserer Familie zu zeigen: Wir gehören
zusammen. Und natürlich, zuallererst, war es ein
gegenseitiger Liebesbeweis. Wir fanden dafür einen
altkatholischen Priester, der sich gern bereit
erklärte, mit uns zu feiern und uns seinen Segen zu
geben.
Könnt ihr
euch vorstellen, miteinander und in dieser
Lebensgemeinschaft alt zu werden? (beide grinsen und wirken
etwas unsicher auf diese Frage - man muss sich ja
nicht gleich so hineinsteigern" meint Adrian - aber ich
lasse nicht locker
)
Wie fühlt sich für euch die Vorstellung an, mit 80
nebeneinander auf einem Parkbankerl zu sitzen und noch immer
ein Paar zu sein? (beide lachen schallend, werden dann
nachdenklich
)
Adrian: Schon,
die Vorstellung finde ich lustig, die gefällt mir,
damit könnte ich mich anfreunden
Markus: Wir
haben eine derart offene, ehrliche Beziehung - ich hatte in
meinem Leben noch nie so eine offene Beziehung. Dadurch sind
wir uns schon sehr nahe. Ich glaube nicht, sollte es
irgendwann zwischen uns mal auseinander gehen, dass ich mich
in Zukunft noch ein Mal auf eine derartige Partnerschaft
einlassen würde, könnte
Adrian: So
geht's mir auch. Was wir miteinander reden, uns
auseinandersetzen, Probleme bewältigt haben! Das
verbindet schon.
Markus: Und bei
den ganzen Beziehungs-Problemen und alltäglichen
Kleinigkeiten und Reibereien gibt es ja überhaupt
keinen Unterschied, ob jetzt Mann mit Frau oder Mann mit
Mann zusammenlebt. Das schwör ich dir! Es ist (finde
ich) eher sogar so, dass es die Mann-Frau-Variante ein wenig
leichter hat, weil sie standesamtlich heiraten können
und dann auch die rechtliche Absicherung dahinter steht. Wir
sind in dieser Hinsicht nur auf gegenseitiges Vertrauen
angewiesen - und das wird immer wieder mal auf die Probe
gestellt. (lacht)
Adrian: Wenn
einer von uns arbeitslos wäre, würde er nicht als
alleinstehend gelten, weil wir ja zusammen in
Lebensgemeinschft wohnen - wenn wir also diese
Lebensgemeinschaft im Ansuchen anführen, kriegen wir
auch weniger Arbeitslosengeld. Und das ist nur ein Beispiel,
da gibts noch einige mehr!
Markus: Ich
finde das ungerecht, dass wir zwar keinerlei Rechte für
unsere Partnerschaft haben, aber wenn es ums Abkassieren von
der anderen Seite geht, dann plötzlich wird sehr wohl
berücksichtigt, dass wir zu zweit leben. Es muss ja gar
nicht sofort eine absolute rechtliche Gleichstellung mit der
Mann-Frau-Ehe sein - aber ein paar wichtige, grund-legende
Rechte für unsere Lebensgemeinschaft würde ich mir
schon wünschen.
Heißt das,
sobald Schwule auch vor österreichische
Standesämter treten dürfen, seid ihr sicher
dabei?
Markus: Ja,
schon, sicherlich. Aber ich glaube, das wird noch mindestens
4-5 Jahre dauern, bis es soweit sein könnte. Ich habe
mir schon öfter überlegt, wie das zum Beispiel
wäre, wenn einer von uns stirbt. Die ganzen
Pensionsbeiträge, die wir zahlen, nimmt sich dann
wieder der Staat. Und gemeinsames Vermögen wird dann
auch nicht automatisch dem anderen Lebenspartner vererbt. Da
ist nichts rechtlich abgesichert.
Kennt ihr
eigentlich mehrere homosexuelle Paare, die so wie ihr
geheiratet haben?
Markus:
Außer einem befreundeten Lesbenpaar eigentlich
niemanden. In der Szene ist es eher so, dass es schon sehr
außergewöhnlich ist, wenn ein Paar ein Jahr lang
beisammen bleibt.
Woran liegt
das?
Markus:
Eigentlich an der Szene an sich. Unter Schwulen ist es
eher üblich, dass man sich bemüht, einem anderen
den Partner wieder wegzunehmen. Sexuell sind die meisten
ziemlich steil drauf
Und viele sind im Grunde ihres
Herzens ziemlich unglücklich. Weiß nicht, warum,
aber es ist so. Vielleicht weil sie mit ihrem Schwulsein
eine Außen- seiterposition haben
oder weil
sie nicht offen dazu stehen können? Manche haben auch
eine Frau zu Hause, und Kinder, und trauen sich nicht,
zu ihren sexuellen Vorlieben zu stehen, wollen ihre Kinder
nicht im Stich lassen, haben Angst vor den Folgen einer
Trennung, Alimente zu zahlen usw. - und sind dabei
todunglücklich. Viele dieser Männer können
mit ihren Partnerinnen daheim gar nicht darüber reden,
weil die irgendwelche außergewöhnliche sexuelle
Fantasien einfach ablehnen. Das fällt mir oft
sogar in Gesprächen mit sehr jungen Paaren auf, wenn
wir über solche Spielvarianten reden - die Männer
sind interessiert und zeigen Lust daran, die jungen Frauen
zeigen sich ganz schnell ange-widert und eher
verständnislos. Dabei geht's doch einfach mal um's
Darüberreden und auch mal was Neues auszuprobieren -
wenn's mir dann nicht gefällt, kann ich ja noch immer
sagen: Nein, das lieber doch nicht, das macht mir keinen
Spaß. Offensichtlich bereitet diese Spiel- und
Experimentierfreude den Hetero-Paaren noch mehr
Schwierigkeiten, als homo-sexuellen Paaren. Das ist
sicherlich ein wichtiger Faktor für homosexuelle
Beziehungen.
Aber auch noch Liebe
mit ins Spiel zu bringen, das trauen sich halt nur wenige
Schwule. Dabei habe ich selbst vor Adrian wirklich nicht
gewusst, wie sich Verliebtsein und Liebe tatsächlich
anfühlt
abgesehen davon, dass der Sex mit einem
Mann wirklich hammermäßig gut ist
aber das
weißt du ja auch, Eva, da brauch ich dir nix
erzählen
(sein Schmunzeln geht
in allgemeines Lachen über)
Tatsächlich,
stimmt - das weiß ich!
Markus:
Beziehungsmäßig ist wirklich überhaupt
kein Unterschied zwischen Männer- und
Hetero-Beziehungen. Aber heute könnte ich mich in keine
Frau mehr verlieben. Ich hatte nie schlechte Erfahrungen
gemacht in Beziehungen zu Frauen
Eine hübsche
Frau, mit besonderer Ausstrahlung fällt mir noch immer
auf, und dann sage ich auch manchmal zu Adrian Schau,
die ist hübsch, hat eine gute Figur
" oder so -
aber sie törnt mich deswegen nicht an, und ich will sie
auch nicht erobern. Eine Liebesbeziehung kann und will ich
nur mit einem Mann haben, dorthin gehen einfach meine
Wünsche und Bedürfnisse. Dort fühle ich mich
daheim und kann mich (auch beim Sex) wirklich fallen
lassen.
Bei euch beiden
spüre ich aber auch sehr starke weibliche
Anteile
Adrian: Schon,
aber wir verhalten uns nicht bewusst weiblich - was ja viele
Schwule gerne tun, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
Uns beiden sieht auf der Straße, auf den ersten Blick
keiner an, dass wir homosexuell sind - und das ist uns auch
gar nicht wichtig, wir sind ja ganz normale Männer und
so geben wir uns auch. Viele, die uns neu kennenlernen und
es erst nach einiger Zeit erfahren, sagen zu uns: Das
hätt ich nie gedacht
!"
Allerdings - wenn man
so wie wir schon einige Jahre in der Szene verkehrt und
viele Schwule kennt, dann spürt man es oft wirklich
beim ersten Blick in die Augen eines fremden Mannes: Aha,
alles klar! So war's ja auch bei uns - und Markus wollte
gleich eine Beziehung mit mir, obwohl ich mir anfangs gar
nicht so sicher war. Ich hatte einige Enttäuschungen
hinter mir und hab mich innerlich gesträubt, mich
gleich wieder auf etwas Neues einzulassen. Aber dann dachte
ich mir, mehr wie schief gehen kann es auch diesmal nicht -
heute bin ich froh darüber.
Streitet ihr
eigentlich nie?
Adrian: (lacht)
Klar, oft sogar, aber das Aufeinandersauersein dauert bei
uns nie länger als zehn Minuten, oder maximal einen
halben Tag lang.
Und was sind so
eure Konflikt-Themen
?
Adrian: Na, zum
Beispiel, wenn ich nach der Arbeit nach Hause komme, schon
hungrig bin und mich auf einen gemütlichen Abend zu
Hause freue, und es ist dann der- artig unordentlich,
dass ich mich nicht mehr wohl fühle, die Katzenstreu in
der Wohnung verteilt, die Wäsche liegt herum, usw. -
das macht mich ordentlich sauer. Dann rede ich nichts mehr
mit Markus und fange einfach zum Putzen an, räume die
Waschmaschine ein, mache Ordnung - und dann fühl ich
mich schon wieder wohler, weil ich mich abreagiert
hab.
Dann bist also
du, Adrian, derjenige der mehr putzt und auf Ordnung bedacht
ist
Gibt es in eurer Lebensgemeinschaft auch eine
gewisse Rollenaufteilung, einen eher männlichen und
einen weiblichen Part?
Markus: Wie
man's nimmt. In meiner Beziehung mit Christine war ich
eigentlich derjenige, der mehr diese weibliche Rolle"
übernommen hat. Aber bei uns beiden ist es schon so,
dass ich eher den männlichen, dominanten Part
übernehme.
Adrian: Wenn
ich's genau bedenke, ja - obwohl du ja auch putzt und
Wäsche machst - und kochen tust zum Beispiel
meistens du
Und wer
kümmert sich um die finanziellen
Dinge?
Markus: Das tun
wir alles gemeinsam. Wir haben zwar jeder ein eigenes Konto,
aber letzlich kommt alles in einen gemeinsamen Topf. Alles,
was wir besitzen, gehört auch uns beiden. Und wenn es
um Anschaffungen oder andere wichtige Entscheidungen geht,
werden die immer gemeinsam getroffen. Obwohl,
beziehungsmäßig bin ich schon wirklich der
dominantere Teil - oder wenn es um Amtsgänge usw. geht,
bin auch ich derjenige, der sie erledigt.
Hat sich also
deine Position im Vergleich zu deiner Beziehung mit
Christine verändert?
Markus: Ja, da
hatte sie viel eher diese männliche" Rolle, als
ich. In der Beziehung mit Adrian bin ich derjenige, der
wichtige Entscheidungen eher anspricht, ich bin auch
schneller in der Lage, welche zu treffen
(grinst)
manchmal muss ich ihn schon ordentlich in den Arsch
treten
Und am Anfang unserer Beziehung habe ich diese
Rolle auch deswegen gern übernommen, weil Adrian einer
ist, der ziemlich schnell auszockt.
Was meint das
jetzt wieder
?
Adrian: Naja,
in manchen Situationen verliere ich ziemlich schnell die
Beherrschung. Wenn ich mich ungerecht behandelt fühle -
zum Beispiel am Finanzamt oder so - und ich weiß, dass
ich im Recht bin, dann rege ich mich ziemlich auf und nenne
die Leute auch schnell alles Mögliche
Markus: Genau
deswegen mache solche Dinge lieber ich, weil ich da
freundlicher bleiben und mit meiner Überlegtheit sicher
mehr erreichen und ausrichten kann, als Adrian.
Danke euch
beiden ganz herzlich für eure Offenheit und für
das aufschlussreiche Gespräch - ich wünsche euch
noch ganz viel schöne Erfahrungen für eure
Liebesbeziehung.

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