Alles das Gleiche ...


Eva Schreuer im Interview mit einem Homosexuellen Ehepaar

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Vergangenen Sommer gab's wieder mal ein kurzes Aufflackern der Diskussion um ein leidiges Thema. Denn seit August können schwule und lesbische Paare in Deutschland heiraten, also ihre Partnerschaften eintragen lassen - und genießen dadurch annähernd die selben Rechte, wie Hetero-Paare. Unser seliges Österreich-Inselchen ist also auf der Schwulentoleranzliste der EU-Länder weiter nach hinten gerutscht. Wir haben mit gleichgeschlechtlichen Partnerschaften noch immer ein Problem und behandeln sie rechtlich wie einander völlig Fremde. Im Gegensatz zu heterosexuellen Partnern haben homosexuelle bei uns kein Eintrittsrecht in den Mietvertrag ihres verstorbenen Lebenspartners, kein gesetzliches Erbrecht, kein Recht auf Pflege-freistellung oder auf beitragsfreie Mitversicherung, Nachteile im Einkommenssteuerrecht, bei der Wohnbauförderung, Sozialhilfe, undsoweiterundsofort. Erschreckend intolerant zeigten sich unsere Landsleute bei einer heurigen Umfrage zum Thema: Mehr als die Hälfte hält nichts davon, diese Umstände gesetzlich neu zu regeln.

Auch die (katholische) Kirche protestierte aus gegebenem Anlass umgehend. Klar - schon wieder geht's ans Ein-gemachte, man lässt sie einfach nicht in Ruhe, die braven Kirchenmänner, von denen keiner gewillt ist, ein Statement über seine eigene (hetero-, homo- oder etwa gar nicht vorhandene???) sexuelle Empfindlichkeit abzugeben. Dass jenes Thema ihre eigenen, kirchlichen Reihen ganz sicher betrifft und aufwühlt, muss einem Menschen mit halbwegs funktionierendem Denkvermögen und Hausverstand auch klar sein. Eine Institution, in der (fast) ausschließlich Männer zusammenleben und -arbeiten, unter der Auflage, keinerlei sexuellen Regungen oder gar Beziehungen zu Frauen zuzulassen, muss logischerweise jene mit gegenteilig sexuellen Bedürfnissen geradezu magisch anziehen. Der Salzburger Weihbischof Laun fand gleich einen triftigen Grund, warum „solche Menschen" umdenken sollten: „Homosexuelle haben eine um 20 bis 30 Jahre kürzere Lebenserwartung!" - ? - Und natürlich muss auch Bischof Krenn wieder medial herhalten - der die erzkonservative Hardliner-Seite der Katholen allerdings auch in dieser Sache vorbildlich vertritt. Zitat aus News (31/01, auf die Frage nach Gründen der Diskriminierung): „Was heißt hier diskriminierend? Eine Sünde ist eine Sünde." Und zu Homosexuellen, die in der Kirche aktiv sein wollen, sich aber durch deren Haltung verstört fühlen, würde der gute Gottesmann folgenden Zeigefinger gen Himmel erheben: „Gott liebt euch, aber ihr müsst euch bekehren. Denn Homo-sexualität ist kein Weg des Lebens".

Toleranz braucht Neugier

Jede(r) von uns muss sich hierzu wohl seine eigene Meinung bilden (im Sinne von Bildung...). Eines ist aber unumstößlich - hier gehts um Toleranz! Und die haben wir zu lernen. Die aktuellen Ereignisse im Weltgeschehen zeigen, dass sich diese Forderung gar nicht allein auf Österreich bezieht, sondern aufs gesamte menschliche Kollektiv.

Was aber ist Toleranz? Manche (die meisten?) begnügen sich mit einer raschen Definition derselben: „Menschen sind einfach verschieden - und jeder soll in seiner Facon glücklich werden. Punkt." Mit derart oberflächlichen Abhandlungen wird sich nicht viel ändern. Denn geht es mal wirklich tiefer (sprich ums Wohlbefinden, ja Überleben von uns ALLEN), verlieren wir uns ganz schnell wieder in Verurteilungen, Schuldzuweisungen, Schwarzweißdenken, Rache- und Machtgelüsten, etc.etc.

Echte Toleranz ist etwas Gewachsenes. Gewachsen aus einer ehrlichen, inneren Auseinandersetzung - zuerst mit sich selbst - und erst in der Folge mit der Tatsache, dass alle Menschen im Außen anders sind, anders denken als ich, anders handeln, anders fühlen… Und dann ist Neugier angesagt. Im positivsten Sinne des Wortes. Wie empfindest DU? Wie fühlst, denkst, handelst du wirklich? Warum? Ich will es wissen! Ich will es verstehen, um neben und mit dir leben zu können. Derart gewachsene Toleranz brauchen wir, braucht die Menschheit - im Moment dringender als alles Andere!

Da fällt mir auf: Warum verweigern meine Finger gerade hier die Computertasten L-I-E-B-E?? Weil dieses Wort in der spirituellen, ganzheitlichen, esoterischen Szene schon derart behaftet ist mit Süßlichkeiten, Oberflächlichkeiten, Unwahrheiten… dass ich es nicht einfach leichtfertig verwenden will. Aber ja, jene gewachsene Toleranz ist Grundbedingung für unsere Liebesfähigkeit. Ja okay, es geht um Liebe. Die nur ehrlich empfunden werden kann, wenn ich mich bemühe zu verstehen.

Bewusst abrupt will ich diese Überlegungen aber jetzt unterbrechen - sonst entsteht hier ein Artikel über die Liebe an sich, und das hatte ich eigentlich nicht vor… Oder in gewissem Sinne doch, denn es soll hier um die Liebe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern gehen. Und wo liegt der Unterschied zwischen „Liebe zwischen Frau und Mann" und „Liebe zwischen Mann und Mann" oder „Liebe zwischen Frau und Frau"?

Liebe ist Liebe. Ihre äußeren Ausdrucks- und Erscheinungsformen sind so vielfältig, wie die Menschen vielfältig sind. Ein Beispiel aus unserem Freundeskreis möchte ich dir in dieser WEGE gern weitergeben. Auch, weil es mir selbst ein gutes Stück weitergeholfen hat, zu verstehen. Und ich danke Markus und Adrian für das folgende Interview - ihren persönlichen, aktiven Beitrag zu wachsender Toleranz und menschlichem Verstehen.

Die beiden sind schwul und leben in einer (wenn auch leider nicht rechtlich abgesicherten) Ehe- und Lebensgemeinschaft. Sie arbeiten in derselben Linzer Firma und haben ihre Beziehung von Anfang an weder vor ihrem Freundeskreis noch vor ihren Arbeitskollegen verborgen.

 

Markus, als wir uns vor Jahren kennenlernten, warst du ja mit einer Frau verheiratet…

Markus: Ja, das war meine erste feste Beziehung. Christine und ich waren neun Jahre zusammen, es war eine ganz normale Beziehung, wie jede andere…

 

Hast du schon damals homosexuelle Tendenzen bei dir bemerkt?

Markus: Heute, im Nachhinein betrachtet, klar war da schon was - aber es war mir nicht wirklich bewusst. Ich hatte vor der Ehe schon Kontakte zu Homosexuellen - die habe ich zwar nicht körperlich ausgelebt, aber ich fand die Leute immer spannend und hatte viel Spaß mit ihnen. Aber erst am Ende dieser „Hetero-Ehe" ließ ich mich auch sexuell auf Männer ein…

 

… und hast dich auch verliebt?

Markus: So richtig verliebt habe ich mich - und das zum ersten Mal in meinem Leben - in Adrian. Als ich ihm begegnet bin, erlebte ich zum erstmals diese Aufregung, dieses Herzklopfen, dieses Kribbeln im Bauch, nicht wissen, was man reden soll, wenn ich ihn anschaue… dabei wusste ich nicht mal seinen Namen…!

Meine damalige Frau ist natürlich aus allen Wolken gefallen, als ich es ihr erzählt hab, die hatte keinen Dunst davon.

 

Und du, Adrian, hattest du auch früher Liebesbeziehungen zu Frauen?

Adrian: (beide lachen schallend) Nein, nie, bei mir war immer schon klar, dass ich schwul bin. Schon in der Schule, in einem Alter, wo meine Freunde begonnen haben, sich für Mädchen zu interessieren, ihnen auf den Busen und auf den Po geschaut haben, habe ich immer ganz wo anders hingeschaut. Ich hab damals noch gar nicht an Sexualität gedacht, konkrete Bilder oder sexuelle Vorstellungen gehabt - aber es haben mich einfach nur Männer angezogen und interessiert. Nur einmal habe ich mit einem Mädchen geschmust - aufgrund einer Wette mit Freunden (traust dich eh nicht, und so…). Aber als sie meine Hand auf ihren Busen legte, habe ich die sofort weggezogen und aufgehört - weil es mir unangenehm war und es mich überhaupt nicht angetörnt hat. Die anderen Burschen haben mich dann gefragt, was mit mir los ist, und ich sagte einfach: „Ich bin schwul - und lasst mich jetzt einfach in Ruhe!" Die Reaktion darauf war nur „Ach so! Warum sagst du das nicht gleich!"

Ab dann war es einfach klar.

 

Und keiner hat dich gehänselt oder ungut behandelt?

Adrian: Nein, nie. Alle haben es akzeptiert. Es war einfach offen und ehrlich.

Markus: Das ist auch die Erfahrung, die wir jetzt machen. Wir verstecken unsere Beziehung vor niemandem. Überall, in der Firma, aber auch wenn wir neuen Menschen begegnen zeigen wir uns so, wie wir einfach sind und dass wir ein Paar sind. Wir fahren da voll rein. Und noch nie haben wir Intoleranz oder Vorurteile zu spüren bekommen.

Markus: Naja, manche sind am Anfang schon skeptisch und wissen nicht so recht, was sie davon halten sollen. Viele verbinden Schwulsein auch mit so einem zickig-schwulen Gehabe und beobachten uns dann genauer. Aber wir verhalten uns einfach ganz offen und normal, so wie wir eben sind - und nach einer gewissen Zeit sehen auch die Skeptiker, dass wir nicht „anders" sind, und dass wir einfach zusammengehören und ein Paar sind, wie eben jedes andere Pärchen auch.

Markus: Als wir beim Wohnungsuchen waren, hätte ich bei unseren jetzigen Vermietern vorerst gar nicht erwartet, dass wir die Wohnung kriegen - weil es ist eine eher „konservative" Familie mit drei Kindern und so… Aber schon beim Besichtigen haben wir erklärt, dass wir ein Paar sind, und dass wir keine getrennten Schlafzimmer brauchen, usw. - Heimlichkeiten führen in solchen Situationen doch nur zu späteren Reibereien. Wir haben die Wohnung bekommen, und das Verhältnis zu unseren Vermietern ist ehrlich und freundlich.

 

Wenn's aber ohnehin so einfach ist, warum gibt es dann so viele Schwule, die diesbezüglich Probleme haben, sich gesellschaftlich diskriminiert und nicht akzeptiert fühlen? Bilden die sich da was ein…?

Markus: Also, wenn ich mal ganz ehrlich bin: das ist oft auch eine selbstgestrickte Geschichte. Manche Schwule (besonders die „schrillen, überzogenen") genießen es auch, „arm schwul" sein, und sie genießen auch den Medien- rummel um ihre Veranlagung oder Lebensweise… Die Medien spielen meiner Ansicht nach das Thema auch oft zu sehr hoch.

 

Allerdings wurde erst kürzlich eine Umfrage veröffent-licht, die zeigt, dass noch immer mehr als die Hälfte aller Österreicher (ich glaube, es waren um die 60%) gegen eine Gleichstellung homosexueller Beziehungen mit heterosexuellen sind.

Markus: Ich glaube, bei solchen Zahlen sollte man auch das Verhältnis der Generationen berücksichtigen - ältere Menschen haben einfach noch größere Hemmschwellen, diese Beziehungsform zu akzeptieren. Wir beide sind ja schon in den Siebzigern geboren, und unsere Gleichaltrigen und Jüngere sehen das schon viel lockerer…

Adrian: Aber meine Oma zum Beispiel hat auch überhaupt kein Problem damit, dass ich mit einem Mann zusammen lebe. Wie alle Verwandten - beiderseits übrigens. Unsere Verwandten sind auch zu unserer Hochzeit gekommen. Einzig meine Tante in Deutschland hatte ein Problem damit. Ich war immer ihr Lieblingsneffe, ich bekam viele Geschenke von ihr, besuchte sie oft (auch mit damaligen Partnern), wir halfen ihr im Garten oder im Haushalt usw. - bis sie vor ca. sieben Jahren erfuhr, dass ich schwul bin. Für sie ist das eine ansteckende Krankheit - und so hat sie das ganze Zimmer, in dem ich (wir) übernachtet hatten, sozusagen desinfiziert, also komplett ausgeräumt, alle Möbel weg, die Wände frisch gestrichen, und auch den Kontakt zu mir völlig abgebrochen. Aber das ist ihr Problem, eine gewisse Unwissenheit und Dummheit würde ich mal sagen.

 

Ihr habt also geheiratet? Ich dachte, das ist in Österreich nicht erlaubt…

Markus: Ja, seit 17. Juni 2000 sind wir verheiratet. Nicht standesamtlich natürlich. Aber nach dreieinhalb Jahren Beziehung hatten wir einfach das Bedürfnis, unseren Freunden und unserer Familie zu zeigen: Wir gehören zusammen. Und natürlich, zuallererst, war es ein gegenseitiger Liebesbeweis. Wir fanden dafür einen altkatholischen Priester, der sich gern bereit erklärte, mit uns zu feiern und uns seinen Segen zu geben.

 

Könnt ihr euch vorstellen, miteinander und in dieser Lebensgemeinschaft alt zu werden? (beide grinsen und wirken etwas unsicher auf diese Frage - „man muss sich ja nicht gleich so hineinsteigern" meint Adrian - aber ich lasse nicht locker…)
Wie fühlt sich für euch die Vorstellung an, mit 80 nebeneinander auf einem Parkbankerl zu sitzen und noch immer ein Paar zu sein? (beide lachen schallend, werden dann nachdenklich…)

Adrian: Schon, die Vorstellung finde ich lustig, die gefällt mir, damit könnte ich mich anfreunden…

Markus: Wir haben eine derart offene, ehrliche Beziehung - ich hatte in meinem Leben noch nie so eine offene Beziehung. Dadurch sind wir uns schon sehr nahe. Ich glaube nicht, sollte es irgendwann zwischen uns mal auseinander gehen, dass ich mich in Zukunft noch ein Mal auf eine derartige Partnerschaft einlassen würde, könnte…

Adrian: So geht's mir auch. Was wir miteinander reden, uns auseinandersetzen, Probleme bewältigt haben! Das verbindet schon.

Markus: Und bei den ganzen Beziehungs-Problemen und alltäglichen Kleinigkeiten und Reibereien gibt es ja überhaupt keinen Unterschied, ob jetzt Mann mit Frau oder Mann mit Mann zusammenlebt. Das schwör ich dir! Es ist (finde ich) eher sogar so, dass es die Mann-Frau-Variante ein wenig leichter hat, weil sie standesamtlich heiraten können und dann auch die rechtliche Absicherung dahinter steht. Wir sind in dieser Hinsicht nur auf gegenseitiges Vertrauen angewiesen - und das wird immer wieder mal auf die Probe gestellt. (lacht)

Adrian: Wenn einer von uns arbeitslos wäre, würde er nicht als alleinstehend gelten, weil wir ja zusammen in Lebensgemeinschft wohnen - wenn wir also diese Lebensgemeinschaft im Ansuchen anführen, kriegen wir auch weniger Arbeitslosengeld. Und das ist nur ein Beispiel, da gibts noch einige mehr!

Markus: Ich finde das ungerecht, dass wir zwar keinerlei Rechte für unsere Partnerschaft haben, aber wenn es ums Abkassieren von der anderen Seite geht, dann plötzlich wird sehr wohl berücksichtigt, dass wir zu zweit leben. Es muss ja gar nicht sofort eine absolute rechtliche Gleichstellung mit der Mann-Frau-Ehe sein - aber ein paar wichtige, grund-legende Rechte für unsere Lebensgemeinschaft würde ich mir schon wünschen.

 

Heißt das, sobald Schwule auch vor österreichische Standesämter treten dürfen, seid ihr sicher dabei?

Markus: Ja, schon, sicherlich. Aber ich glaube, das wird noch mindestens 4-5 Jahre dauern, bis es soweit sein könnte. Ich habe mir schon öfter überlegt, wie das zum Beispiel wäre, wenn einer von uns stirbt. Die ganzen Pensionsbeiträge, die wir zahlen, nimmt sich dann wieder der Staat. Und gemeinsames Vermögen wird dann auch nicht automatisch dem anderen Lebenspartner vererbt. Da ist nichts rechtlich abgesichert.

 

Kennt ihr eigentlich mehrere homosexuelle Paare, die so wie ihr geheiratet haben?

Markus: Außer einem befreundeten Lesbenpaar eigentlich niemanden. In der Szene ist es eher so, dass es schon sehr außergewöhnlich ist, wenn ein Paar ein Jahr lang beisammen bleibt.

 

Woran liegt das?

Markus: Eigentlich an der Szene an sich. Unter Schwulen ist es eher üblich, dass man sich bemüht, einem anderen den Partner wieder wegzunehmen. Sexuell sind die meisten ziemlich steil drauf… Und viele sind im Grunde ihres Herzens ziemlich unglücklich. Weiß nicht, warum, aber es ist so. Vielleicht weil sie mit ihrem Schwulsein eine Außen- seiterposition haben… oder weil sie nicht offen dazu stehen können? Manche haben auch eine Frau zu Hause, und Kinder, und trauen sich nicht, zu ihren sexuellen Vorlieben zu stehen, wollen ihre Kinder nicht im Stich lassen, haben Angst vor den Folgen einer Trennung, Alimente zu zahlen usw. - und sind dabei todunglücklich. Viele dieser Männer können mit ihren Partnerinnen daheim gar nicht darüber reden, weil die irgendwelche außergewöhnliche sexuelle Fantasien einfach ablehnen. Das fällt mir oft sogar in Gesprächen mit sehr jungen Paaren auf, wenn wir über solche Spielvarianten reden - die Männer sind interessiert und zeigen Lust daran, die jungen Frauen zeigen sich ganz schnell ange-widert und eher verständnislos. Dabei geht's doch einfach mal um's Darüberreden und auch mal was Neues auszuprobieren - wenn's mir dann nicht gefällt, kann ich ja noch immer sagen: Nein, das lieber doch nicht, das macht mir keinen Spaß. Offensichtlich bereitet diese Spiel- und Experimentierfreude den Hetero-Paaren noch mehr Schwierigkeiten, als homo-sexuellen Paaren. Das ist sicherlich ein wichtiger Faktor für homosexuelle Beziehungen.

Aber auch noch Liebe mit ins Spiel zu bringen, das trauen sich halt nur wenige Schwule. Dabei habe ich selbst vor Adrian wirklich nicht gewusst, wie sich Verliebtsein und Liebe tatsächlich anfühlt… abgesehen davon, dass der Sex mit einem Mann wirklich hammermäßig gut ist… aber das weißt du ja auch, Eva, da brauch ich dir nix erzählen…

(sein Schmunzeln geht in allgemeines Lachen über)

 

Tatsächlich, stimmt - das weiß ich!

Markus: Beziehungsmäßig ist wirklich überhaupt kein Unterschied zwischen Männer- und Hetero-Beziehungen. Aber heute könnte ich mich in keine Frau mehr verlieben. Ich hatte nie schlechte Erfahrungen gemacht in Beziehungen zu Frauen… Eine hübsche Frau, mit besonderer Ausstrahlung fällt mir noch immer auf, und dann sage ich auch manchmal zu Adrian „Schau, die ist hübsch, hat eine gute Figur…" oder so - aber sie törnt mich deswegen nicht an, und ich will sie auch nicht erobern. Eine Liebesbeziehung kann und will ich nur mit einem Mann haben, dorthin gehen einfach meine Wünsche und Bedürfnisse. Dort fühle ich mich daheim und kann mich (auch beim Sex) wirklich fallen lassen.

 

Bei euch beiden spüre ich aber auch sehr starke weibliche Anteile…

Adrian: Schon, aber wir verhalten uns nicht bewusst weiblich - was ja viele Schwule gerne tun, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Uns beiden sieht auf der Straße, auf den ersten Blick keiner an, dass wir homosexuell sind - und das ist uns auch gar nicht wichtig, wir sind ja ganz normale Männer und so geben wir uns auch. Viele, die uns neu kennenlernen und es erst nach einiger Zeit erfahren, sagen zu uns: „Das hätt ich nie gedacht…!"

Allerdings - wenn man so wie wir schon einige Jahre in der Szene verkehrt und viele Schwule kennt, dann spürt man es oft wirklich beim ersten Blick in die Augen eines fremden Mannes: Aha, alles klar! So war's ja auch bei uns - und Markus wollte gleich eine Beziehung mit mir, obwohl ich mir anfangs gar nicht so sicher war. Ich hatte einige Enttäuschungen hinter mir und hab mich innerlich gesträubt, mich gleich wieder auf etwas Neues einzulassen. Aber dann dachte ich mir, mehr wie schief gehen kann es auch diesmal nicht - heute bin ich froh darüber.

 

Streitet ihr eigentlich nie?

Adrian: (lacht) Klar, oft sogar, aber das Aufeinandersauersein dauert bei uns nie länger als zehn Minuten, oder maximal einen halben Tag lang.

 

Und was sind so eure Konflikt-Themen…?

Adrian: Na, zum Beispiel, wenn ich nach der Arbeit nach Hause komme, schon hungrig bin und mich auf einen gemütlichen Abend zu Hause freue, und es ist dann der- artig unordentlich, dass ich mich nicht mehr wohl fühle, die Katzenstreu in der Wohnung verteilt, die Wäsche liegt herum, usw. - das macht mich ordentlich sauer. Dann rede ich nichts mehr mit Markus und fange einfach zum Putzen an, räume die Waschmaschine ein, mache Ordnung - und dann fühl ich mich schon wieder wohler, weil ich mich abreagiert hab.

 

Dann bist also du, Adrian, derjenige der mehr putzt und auf Ordnung bedacht ist… Gibt es in eurer Lebensgemeinschaft auch eine gewisse Rollenaufteilung, einen eher männlichen und einen weiblichen Part?

Markus: Wie man's nimmt. In meiner Beziehung mit Christine war ich eigentlich derjenige, der mehr diese „weibliche Rolle" übernommen hat. Aber bei uns beiden ist es schon so, dass ich eher den männlichen, dominanten Part übernehme.

Adrian: Wenn ich's genau bedenke, ja - obwohl du ja auch putzt und Wäsche machst - und kochen tust zum Beispiel meistens du…

Und wer kümmert sich um die finanziellen Dinge?

Markus: Das tun wir alles gemeinsam. Wir haben zwar jeder ein eigenes Konto, aber letzlich kommt alles in einen gemeinsamen Topf. Alles, was wir besitzen, gehört auch uns beiden. Und wenn es um Anschaffungen oder andere wichtige Entscheidungen geht, werden die immer gemeinsam getroffen. Obwohl, beziehungsmäßig bin ich schon wirklich der dominantere Teil - oder wenn es um Amtsgänge usw. geht, bin auch ich derjenige, der sie erledigt.

 

Hat sich also deine Position im Vergleich zu deiner Beziehung mit Christine verändert?

Markus: Ja, da hatte sie viel eher diese „männliche" Rolle, als ich. In der Beziehung mit Adrian bin ich derjenige, der wichtige Entscheidungen eher anspricht, ich bin auch schneller in der Lage, welche zu treffen… (grinst) manchmal muss ich ihn schon ordentlich in den Arsch treten… Und am Anfang unserer Beziehung habe ich diese Rolle auch deswegen gern übernommen, weil Adrian einer ist, der ziemlich schnell auszockt.

 

Was meint das jetzt wieder…?

Adrian: Naja, in manchen Situationen verliere ich ziemlich schnell die Beherrschung. Wenn ich mich ungerecht behandelt fühle - zum Beispiel am Finanzamt oder so - und ich weiß, dass ich im Recht bin, dann rege ich mich ziemlich auf und nenne die Leute auch schnell alles Mögliche…

Markus: Genau deswegen mache solche Dinge lieber ich, weil ich da freundlicher bleiben und mit meiner Überlegtheit sicher mehr erreichen und ausrichten kann, als Adrian.

 

Danke euch beiden ganz herzlich für eure Offenheit und für das aufschlussreiche Gespräch - ich wünsche euch noch ganz viel schöne Erfahrungen für eure Liebesbeziehung.

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