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Das Geheimnis der Kreativität
von Sugata Wolf Schneider
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Gibt
es ein Geheimnis der Kreativität? Wenn man es sagen könnte,
wäre es kein Geheimnis mehr. Wenn es eine Regel gäbe, die einen
Menschen kreativ machen würde, dann wäre das Befolgen dieser
Regel doch nur ein Nachmachen, also nicht wirklich kreativ
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Zu viele IdeenImmer wieder werde ich in meinen Schreibkursen gefragt:
Wie schafft ihr es nur immer, so viele neue, interessante Themen
in jede neue Ausgabe eurer Zeitschrift zu bringen - wie fällt euch
da nur immer wieder was ein?" Es ist ganz anders, sage ich dann. Die Themen
fliegen nur so rum, wir haben immer zu viele davon - auf das Aussortieren
kommt es an!
Sieben goldene Regeln Ich will mich damit aber nicht über die ganz gewöhnliche Suche nach einer guten Idee oder dem Ausweg aus einer vertrackten Situation erhaben wähnen. Wer sich die Haare rauft auf der Suche nach einer Lösung, nach DEM rettenden Einfall, der göttlichen Eingebung, die alles anders macht der wird den Hinweis, doch bitte auf der Stelle zum Mystiker zu werden, um immerdar im Strom der kosmischen Glückseligkeit dahin zu schwimmen und alles als eins zu betrachten, als nicht besonders originell empfinden. Deshalb hier ein paar praktische Tipps. Was ihre Alltagstauglichkeit angeht, haben sie schon diverse Tests bestanden und dürfen sich hier als Goldene Regeln" schminken.
1. Unterscheide! 2. Ehre das Einfache! 3. Scheue das Geniale nicht! 4. Bewahre deine Kindlichkeit!
5. Sei mutig! 6. Vertraue! 7. Habe Geduld!
Kreative Abwaschlogistik Kreativ sein heißt: Malen, Basteln, Musizieren!
So haben wir es gelernt. Den Abwasch machen, einkaufen, die Werkstatt
aufräumen, sich mit begrenzten Mitteln (zeitlich und finanziell)
gesund ernähren, Kinder aufziehen und dabei noch Geld verdienen -
all das erfordert viel mehr Kreativität als bunte Farben aufs Papier
zu bringen oder ein bisschen Hausmusik. Kreativ Sein heißt doch,
etwas Neues, Eigenes zu erschaffen. Warum sollte da der Abrieb von Wachsmalkreide
auf Papier mehr Originalität in sich haben, als die Einrichtung einer
Küche oder das Erfinden eines unmissverständlichen Ablagesystems
im Büro?
Eigenregie im Lebensfilm Neben den kleinen Aufgaben, gibt es eine große
Aufgabe. Neben all den einzelnen Herausforderungen an die Kreativität,
denen man im Lauf eines Lebens so begegnet, gibt es eine große,
alles andere überragende Aufgabe: das eigene Leben zu gestalten.
Nicht immer nur Schauspieler zu sein von Rollen, die andere sich ausgedacht
haben, sondern selbst das Drehbuch zu schreiben für das eigene Leben.
Selbst Regie zu führen in diesem Autorenfilm" und selbst zu
bestimmen, wohin die Lebensreise geht. Das ist die eigentliche kreative
Aufgabe, neben der alle anderen erblassen. Das erfordert als erstes ein
Bewusstsein der Rollen, die man spielt und die man sich so vielleicht
gar nicht ausgedacht hat (Ich glaub, ich bin hier im falschen Film!").
Dann braucht es den Mut, die Rolle zu wechseln - und in dem Wechsel die
Freiheit zu spüren, immer wieder wechseln zu können. Und dann
den noch radikaleren Mut, die eigenen Rollen zu (er)finden, das eigene
Profil, den Ruf von innen: die Berufung, die Lebensaufgabe. Wenn ich beim Erfinden meiner Identität (zu entdecken" ist da nichts, man muss sich schon erdreisten, sie zu erfinden") - wenn ich dann zufrieden bin mit mir selbst, auch ohne jeglichen Beifall von anderen, dann habe ich mich gefunden. Dann bin ich Schöpfer meiner selbst geworden. Der Pokal für den Erfolg, mich selbst gefunden zu haben, geht dann an mich, ganz ohne Neider, denn es gibt da keine Mitbewerber. Diesen Job kann nur ich ausführen, ich allein.
Sugata Wolf Schneider
Bücher des Autors: Auf der Suche nach dem Wesentlichen (2003) Tantra - Spiele der Liebe
Kontakt und Infos: http://www.schreibkunst.com (Webtagebuch von Wolf Schneider)
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