Der Narr
lässt gruessen
Cliniclowns"
oder Rote Nasen" sind heute fast jedem ein Begriff -
die Idee der Clowndoktors beginnt in unserem
Gesundheitssystem Fuß zu fassen. Wenige wissen, dass
die ersten Impulse, Humor und Lachen als Heilmittel
einzusetzen von dem Amerikaner Patch Adams ausgingen. Ein
ungewoehnlicher Mensch, der sich nur schwer einordnen
laesst. Ist er nun Arzt oder Clown, Revolutionaer oder
Hippie, weise oder naiv, erleuchtet oder einfach nur
durchgedreht? Patch Adams hat wohl von allem etwas und ist
doch mehr, denn seine Persoenlichkeit und sein Verhalten
widersetzen sich gaengigen Definitionen. Auf jeden Fall ist
er das, was im Jiddischen Mensch" genannt wird: der
Inbegriff für Guete, Mitgefuehl und Liebe zum
Leben.
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WEGE-Interview mit
Clowndoktor Patch Adams


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Am 25. Maerz 99 lief der Spielfilm Patch Adams - Ein Doktor mit Herz" mit Robin Williams in der Hauptrolle in den deutschsprachigen Kinos an - und zur Premierenfeier in Karlsruhe war auch der echte" Patch aus West Virginia angereist. Exklusiv für WEGE lud ihn sein Freund und Kollege David Gilmore am darauffolgenden Vormittag zu einem Gespraech unter Clowns. David: Patch, du hast eine besondere Art mit Kranken umzugehen. Was gibst du ihnen? Patch: Das kann ich nicht mit ein, zwei Worten sagen. Hm, ich gebe ihnen alles, was ich habe: meine Liebe zur Literatur, Patch, den Clown, meine Erfahrung als Arzt, meine Fuersorge. Ich habe Haende, die beruehren und massieren können, ich habe Sinn fuer Humor und eine Menge andere Dinge, die ich den Kranken geben kann. Ich gebe ihnen Hoffnung und Mitgefuehl, und ich mische das mit all den Dingen, die ich vergessen habe aufzuzaehlen. Ich gebe ihnen mich selbst. David: Du hast einmal gesagt, die Dinge, unter denen wir am meisten leiden seien Einsamkeit, Angst und Langeweile. Patch: Ja. Und das
betrifft nicht nur die Kranken, sondern die ganze
Gesellschaft. David: Viele Leute denken, dass es angesichts der Tragoedien, der Katastrophen, des Leidens auf der Welt geschmacklos sei, dem mit Froehlichkeit zu begegnen. Was meinst du dazu? Patch: Ich glaube, die Leute wollen ihre Leiden rechtfertigen. Natuerlich hoere ich immer wieder: Wie kannst du Spaesse machen, wenn Krieg gefuehrt wird?" Dann sage ich: Weisst du, warum uns das Elend, mit dem wir taeglich konfrontiert werden so zu schaffen macht? Man hat uns beigebracht, dass wir uns hilflos fuehlen muessen, wenn wir diese Bilder sehen. Das laehmt uns, und dann spueren wir natuerlich auch nicht mehr die Energie zu handeln, zu veraendern. Ich sage ihnen: Ich bin trotz allem froehlich!" Und ich glaube, das ist das Revolutionaerste von allen meinen politischen Aktivitaeten. David: Dazu faellt mir der Ausspruch exzessiver Frohsinn" ein - der kam ja auch im Film vor. Patch: Dieser Ausspruch ist gar nicht von mir. Er ist von einem Professor, der mich damit kritisieren wollte. David: Das war also eine Kritik!? Patch: Ja. Das ist
natuerlich wirklich komisch. Denn wenn du diese Figur
uebertrieben darstellen wuerdest, diese kritische Haltung,
wuerde sie zu einer richtigen Clownfigur. Zu jemandem, der
alles nur noch kritisiert. In gewisser Weise hat diese
Person sogar Humor. Vielleicht wuerde man es eher
schwarzen Humor" nennen. David: Viele scheinen sogar zu glauben, dass Kritisieren oder auf starren Anschauungen zu beharren das wirkliche Leben sei. Patch: Hinter der Kritik verbirgt sich meist etwas Anderes. Da gibt es zwei Aspekte: die Selbstkritik, das heisst man kann sich selbst nicht leiden - und die Kritik an Anderen oder einer Sache, was heisst, dass man dieses Andere nicht mag. Solche Menschen kritisieren beides, sich selbst und Andere, und ich frage mich, ob es etwas gibt, was sie an dieser Welt zu schaetzen wissen. Jammern, Sich-Beschweren, Zynismus, das alles sind fixe Bestandteile einer Weltanschung, die ichLeidens-Paradigma nenne. Wer glaubt, dass wir selbst im Paradies noch werden leiden muessen, muss jetzt damit beginnen. Und das beste Mittel ist, alles negativ zu sehen. In dieser Leidens-Haltung kommt das Wort Idealist" nicht vor, statt dessen steht dort Zynismus". David: Kannst du uns etwas ueber deinen Traum erzaehlen und wie du ihm gefolgt bist? Patch: Susan, meine
Performance-Partnerin, hat mir geholfen zu verstehen, dass
die Formulierung Ich folge einem Traum" eigentlich
nicht stimmt. Denn ich sagte ja nicht: Das ist der
Traum, und ich moechte ihn verwirklichen." Ich habe einfach
angefangen, in eine bestimmte Richtung zu gehen - und nach
einer Zeit fingen die Leute an, es einen Traum zu nennen.
Dann bekam es eine klarere Richtung. Aber eigentlich ist es
umgekehrt - der Traum folgt dir. Du tust etwas und das hat
Folgen. Und wenn man das Tun und die Folgen zusammennimmt,
dann gewinnt das Ganze eine Form. Eine Form, die sich erst
aus dem Tun entwickelt. Es ist wie ein Sog. David: Du bist also kein Missionar, kein Kreuzritter? Patch: Nein, ich bin ein Aktivist, der eine Welt ohne Gewalt will und ohne Ungerechtigkeit. Und ich habe das Gefuehl, ich kann da Einiges erreichen. David: Ein Clown zu sein, bedeutet das fuer dich auch, Kontakte und Freundschaften zu schliessen? Patch: Ja, klar. Nichts zieht die Menschen so sehr an wie eine Mischung aus Clown und Freundlichkeit. Siemoegen an der Liebe zweifeln oder an der Existenz uebersinnlicher Erscheinungen, aber man kann nur schwer an Bloedeleien zweifeln. Man lacht, bevor man sich die Frage stellen kann, ob man lachen soll oder nicht. Ob es nun mein blaues Haar ist oder die Gabel im Ohr - ich habe mehr als 20 Ohrringe, aber wenn ich den gabelfoermigen trage, kommen die Leute mit mehr Fragen und Kommentaren. Also trage ich die Gabel. Wenn du einen langweiligen, dunkelblauen Anzug anziehst, wirst du uebersehen. Er stellt keine Verbindung her. Die Leute schauen einfach durch dich durch. Ich glaube, viele Maenner die solche Anzuege tragen hoffen, dass man sie nicht bemerkt. Sie wollen sich moeglichst unbemerkt durch den oeffentlichen Raum bewegen und so schnell wie moeglich in einen sicheren Hafen kommen: ihr Zuhause, ihre Arbeit oder ihren Sportverein. David: Die meisten Leute glauben, dass sie nur im Schutz ihres Zuhauses sie selbst sein koennen. Patch: Ich glaube, viele Menschen haben den Bezug zur Gemeinschaft verloren. So ist zum Beispiel das Wort Fremder" heute eher negativ besetzt. Man verbindet damit: Was wird er mir antun?" oder Was nimmt er mir weg?". Dabei koennten wir ja auch denken: Das wird vielleicht mein bester Freund!" Es handelt sich um ein- und denselben Menschen. Die Einstellung macht den Unterschied. David: Mir ist Folgendes aufgefallen: Die Leute freuen sich, wenn ein Clown kommt, sie lachen, sie kommen in Stimmung und fangen an, selbst Spaesse zu machen. Das ist richtig ansteckend. Es ist wunderbar. Aber dann geht der Clown ... Auch letzte Nacht habe ich das gespuert: Als du fort warst, liess die Stimmung nach und die Leute fielen wieder in ihre alten Verhaltensmuster zurueck. Wie gehst du damit um? Wie haeltst du diese Energie, diese Stimmung bei dir selbst aufrecht? Patch: Ich will es.
Ich frage mich: Welche Rolle muss ich spielen, was muss ich
tun, um zu erreichen, was ich erreichen will? Manche
glauben, dass Schauspielen luegen heisst, dass man sich als
jemand ausgibt, der man gar nicht ist, oder man sei
berechnend. Fuer mich heisst es aber: Wie setze ich
meinen Willen in Handeln um? Patch, was ist deine Absicht,
wenn du am Morgen aufstehst? Willst du die Welt bereichern?
Willst du dich engagieren? Wenn ja, wie wirst du dabei
vorgehen? Was tust du, wenn du Frieden auf der Welt willst?"
Stell dir vor, dir sieht jemand dabei zu, wie im Theater.
Was koennte ehrlicher sein, als eine Absicht zu haben und
ihr zu folgen? Besonders wirksam ist es, wenn du jeden Tag
mit der gleichen Absicht beginnst, zum Beispiel: Ich
will gluecklich / freundlich / froehlich sein". Egal, ob
etwas kaputt geht oder ob ich etwas verliere, ich freue
mich, auf der Welt zu sein. Also muss ich das eigene Handeln
genauer unter die Lupe nehmen. Wenn ich Frieden will, dann
muss ich Frieden sein. Wenn ich mir wuensche, dass die
Menschen freundlich miteinander umgehen, dann muss ich
anfangen, freundlich mit ihnen umzugehen. Und das wirkt! David: Wir sprechen hier also nicht ueber grosse, dramatische Vorfuehrungen auf der Buehne, sondern ueber ganz alltaegliche Begebenheiten. Patch: Weisst du, ich bin schon auf der ganzen Welt auf Buehnen aufgetreten, aber nichts war je so gut, wie das in diesem Restaurant. Auf der Buehne hast du die Distanz zum Zuschauer. Man kann die Schauspieler nicht mit nach Hause nehmen. Ich persoenlich bevorzuge den direkten Kontakt. David: Ich hole gerne Leute auf
die Buehne. Dann koennen sie selbst erleben, wie es sich da
oben anfuehlt. Manchmal hole ich Leute, um eine Szene zu
spielen, zum Beispiel im Cafe Langeweile", im
Cafe Aerger" oder im Cafe Depression". Dort ist
jeder depressiv, die Kellner und die Gaeste. Sie kommen,
weil sie hier ungestoert depressiv sein koennen. Sie
genieSSen es. Und sie spielen ihre Rolle gut. Patch: Die Meisten kennen dieses Thema weit besser als Lebensfreude. David: Meinst du, dass wir also eher Lebensfreude spielen sollten? Um sie einzuueben? Patch: Ich wuerde
sagen: Was willst du? Du wachst am Morgen auf: Was
willst du aus diesem Tag machen? Nichts?" Viele Menschen
sagen: Ich will diesen Tag nurirgendwie hinter mich
bringen." Wie soll es ihnen da gut gehen? Hoffentlich
ueberlebe ich diesen Tag", Ich wuenschte, es waere
schon Wochenende", David: ... ich haette nicht mehr lang zu leben." Patch: Was auch immer. Ich denke nie so etwas. Ich will. Ich will leben. Ich will mitten im Leben sein. Wenn ich aufwache, sehe ich Farben und Formen und sage mir: Ich freue mich, ich lebe!" Und ich habe Vieles vor: Ich will neugierig sein, ich will mich von den Wundern des Lebens ergreifen lassen, ich will leidenschaftlich und voller Hoffnung sein. Am Morgen schluepfe ich nicht nur in meine bunten Kleider, ich schluepfe auch in die Rolle, die ich spielen moechte: Einen, der das Leben liebt. David: Viele Leute spielen ja auch eine Rolle, weil es ihr Beruf verlangt, zum Beispiel Therapeuten. Patch: Ja, die Leidens-Therapeuten. David: Worauf ich hinaus moechte: Du sprichst vom Dienen, aber viele Therapeuten sprechen vom Burnout, unter dem sie leiden. Durch ihren Beruf. Was ist der Unterschied? Patch: Ich glaube, wenn jemand nicht auf seine eigenen Wuensche achtet, wenn jemand in Vorstellungen denkt, die er von Anderen uebernommen hat, dann rutscht er in den Zustand, den ich Leidens-Paradigma nenne. Wenn du von 50 Therapeuten hoerst, dass sie ihre Arbeit anstrengend empfinden, dann hoerst du dich bald selber sagen: Jetzt habe ich mir diesen Kummer eine Stunde angehoert. Jetzt bin ich k.o." &endash; vor allem, wenn du das waehrend deiner Ausbildung oder am Anfang deiner Laufbahn hoerst. Ich mit meinem angeborenen Widerspruchsgeist sage: Wie schoen, dass er mir sein Herz ausschuettet!" Stell dir vor, es geht dir gut, und jemand erzaehlt dir, dass er sich einsam fuehlt. Warum bist du nicht dankbar und gluecklich darueber, dass er sich dir anvertraut? Wir haben die Wahl, wie wir reagieren - als Therapeuten und als Freunde. David: Man kann also andere Leute sehr beruehren, wenn man sich ihnen anvertraut. Patch: Es geht darum, dass du ein Bewusstsein fuer dich selbst entwickelst und erkennst, welchen Gedanken in deinem Kopf du eigentlich nicht zustimmst. Wenn zum Beispiel eine Stimme zu mir sagt: Patch, wie kannst du dauernd zu krebskranken Kindern gehen! Macht dich das nicht depressiv?" Dann sage ich: ueberhaupt nicht! Ich empfinde nicht mal Trauer. Ich sehe, dass die Kinder krank sind, aber viel wichtiger: Ich sehe das Laecheln, das mir die Kinder in all ihrem Leiden schenken und die Erleichterung, die ich den Eltern bringe. Es ist fuer mich ein Privileg, menschlichem Leiden so nahe sein zu duerfen. Sie koennten mich ja auch wegstossen. In einem christlichen, buddhistischen oder in einem anderen religioesen Kontext ist der Dienst am Naechsten die hoechste Berufung, der man folgen kann. Warum hat Jesus so beeindruckt? Weil er die Menschen froh gemacht hat. Er war ein Clown! Er war mutig, er hat getan, was er tun wollte - und er hatte kein Burnout. Die hoechste Berufung, der ein Mensch folgen kann, ist Gott zu dienen. Und da wir alle Kinder Gottes sind heiSSt das, den Menschen dienen. Geben! Wenn man viel gibt, wird man leicht als einfaeltig hingestellt: Patch, die Leute nutzen dich doch nur aus, von Anfang an. Du verlangst kein Geld!? Die Menschen sind Blutsauger, sie sind Geier." Also ich kenne keine Blutsauger, und ich kenne keine Geier. Ich habe auch nicht das Gefuehl, dass man mich ausnutzt. Wenn du deinen Verstand gebrauchst, dann gestaltest du dein Leben. Geht es dir schlecht, weil dein Vater dich vor 20 Jahren vergewaltigt hat? Ist das wirklich der Grund, warum du heute leidest? Das ist komisch. Die Tatsache, dass er dich vergewaltigt hat ist natuerlich traurig - aber denk doch nur, was du seit 20 Jahren alles uebersiehst: die Schoenheit der Natur, die Menschen, die dich lieben. Und du bist immer noch bei diesem traurigen Ereignis!? Es tut mir leid, dass er dich missbraucht hat, aber warum freust du dich nicht ueber das, was das Leben dir jetzt zu bieten hat? Und ich spreche das auch ganz klar aus: Du willst es so!" Wenn du nicht deinem Willen, deinen Wuenschen und deinen Leidenschaften folgst, dann wird dir die Gesellschaft sagen, was dich traurig machen soll oder was du dir zu wuenschen hast. Und irgendwann hast du so viele Wuensche uebernommen, dass du deine eigenen nicht mehr kennst. Ich glaube, das ist der Grund, warum die Buddhisten sagen: Mach dich von deinen Wuenschen frei." Ich sage: SchmeiSS die Wuensche ueber Bord, die du von Mami, Papi oder sonstwem uebernommen hast." Und sobald du sie loslaesst, geht es dir viel besser. Du atmest auf. Und das Verhaeltnis zwischen dir und deinen Eltern verbessert sich. Sobald du weisst, was du selbst willst und dementsprechend handelst, stellen sich die gewuenschten Folgen ein. Dann brauchst du dich vor nichts und niemand mehr zu fuerchten. Du gehst in die Hoehle des Loewen, wenn es sein muss. Es macht dir nichts mehr aus, wenn jemand sagt, du haettest unrecht oder was du machst, sei falsch. Manche Leute sagen zu mir: Du ziehst doch nur eine Show ab, du mit deinen bunten Kleidern!" Das trifft mich nicht. Ich mag Vieles sein, aber eines bin ich sicher nicht: ein Langeweiler. David: Und du warst sicher auch schon in mancher Loewenhoehle?! Patch: Ich denke,
deshalb tragen Viele einen grauen Anzug. Sie glauben, dass
die Loewen ueberall da draussen lauern. Sie moechten sich
gegen Kritik wappnen. Ich kenne keine Loewen. Und ich stosse
auch immer weniger auf Kritik. Ich habe den Eindruck, das,
was man als Kritik auffasst, ist oft gar nicht so gemeint.
Ich fasse es eben nicht so auf. David: In vielen Laendern, besonders in den deutschsprachigen, glauben die Leute, dass sie fuer alles ein Zeugnis brauchen, auch eins, das attestiert: Du bist in Ordnung." Patch: Darum sage ich, und so heisst es auch im Film: Jeder ist ein Arzt, und jeder ist Patient." Jene die helfen, sind die Aerzte; jene die Hilfe brauchen, sind Patienten. Jeder ist mal Arzt und mal Patient. David: Kannst du uns etwas ueber das neue Krankenhaus erzaehlen, das du eroeffnen moechtest? Wie wird es aussehen? Patch: Das Grundstueck liegt in einer wunderschoenen Landschaft, mitten im Paradies. Es gibt dort einen See und drei Wasserfaelle, schoene Gaerten, Baeume und Kunstwerke im Freien. Es ist wunderbar, in jeder Jahreszeit. Ja, und das Krankenhaus: Es wird lustig aussehen, ungewoehnlich. Manche Leute werden lachen, andere werden sagen: Verrueckt!" Kennst du Hundertwasser? David: Das Hundertwasserhaus in Wien? Patch: Ja. Ich habe unsere Entwuerfe schon vielen Leuten gezeigt. Und die meisten lachen. Dieses Haus und die Natur, das wird den Menschen helfen, zu sich zu finden. Und auch die Freundlichkeit der Mitarbeiter und die nicht-hierarchische Struktur. Alle werden sich dort wie zu Hause fuehlen. Man sieht dort auch die vertrauten medizinischen Geraete - einen Beweis dafuer, dass es hier nicht nur Larifari-Aerzte" gibt. Viele wollen echte" aerzte, und sie werden die Spielzeuge der echten aerzte sehen, und die der ausgeflippten". Wir leben dort also wie in einer Wohngemeinschaft mit medizinischer Ausrichtung. Wir essen zusammen, und vielleicht spielt irgendwer Klavier. Es kann auch sein, dass jemand verwirrt im Speisesaal herummarschiert. Es ist ein Abenteuer, und es ist sicher anders, als man sich ein Krankenhaus vorstellt. David: Und wo jeder ein Arzt ist, jeder auf seine Weise. Patch: Ja, jeder wird
dazu ermutigt. Auch wenn 30 Aerzte da sind, kann es sein,
dass einem Patienten am meisten eine Wanderung mit einem
anderen Patienten, einem Pfleger oder Besucher hilft, drei,
vier Stunden den Berg hinauf. David: In den letzten Monaten, seit der Film herausgekommen ist, haben sich sicher ein paar aufregende Dinge in deinem Leben ereignet!? Patch: Es gibt da ein paar Dinge, die noch nicht an die oeffentlichkeit sollen. Man moechte nicht, dass ich darueber spreche, aber es faellt mir schwer. Ich fuehle, dass die Leute ehrlich sind: die Anwaelte, die Buchhalter, jeder checkt jeden ab Aber es sieht nicht schlecht aus. Es kommt eine Menge Geld herein. Seit dem Film haben wir mehr Geld als je zuvor. Wir haben ungefaehr 350.000 bis 400.000 Dollar, und das ist genug, um anzufangen. Und das werden wir. Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass das Krankenhaus gebaut wird. Soviel kann ich sagen. David: Uebrigens, ich habe angefangen, Klavier zu spielen - und ich spiele die Tonleiter und mache die uebungen. Es macht mir sehr viel Spass. Weisst du, dass ich Mozart entdeckt habe? Ich dachte immer, Mozart sei mechanisch, jedenfalls nicht so tief wie Beethoven oder Bach. Beethoven war taub. Er litt, und seine Beziehungen gingen in Brueche &endash; und trotzdem komponierte er. Mozart ist ganz anders, so leicht, so ... voller Freude. Patch: Ja, Mozart ist
besonders. Fuer mich ist seine Musik Schoenheit. Sie ist
einzigartig. Voller Harmonie. Und er schrieb sie, waehrend
einige seiner Kinder starben. Das ist unglaublich! Wenn ein
Mensch das zustande bringt, dann koennen doch auch wir
lernen, Huerden zu ueberwinden. Herkoemmliches Wissen ist unsrer Seele Tod. Und es ist nicht unser. Wir muessen vergessen, was man uns beigebracht und es argwoehnisch betrachten, und fluechten vor dem, was profitabel ist oder bequem. Trinkst du diese Wasser, truebst du die Quelle deines wahren Seins. Suche nicht nach Sicherheit Lebe, wo du zu leben fuerchtest. Achte nicht auf deinen Ruf. Sei unbequem. Klug zu planen versucht' ich lang genug. Von jetzt an will ich verrueckt sein. David: Danke Patch. Patch: LOON IS ON THE PATH! Der Verrueckte macht sich auf den Weg. David: Ein Verrueckter dankt dem anderen.
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